Komödie

Der Meister des Erbärmlichen

Stromberg-Erfinder Ralf Husmann hat eine neue Mission im Fernsehen gefunden

Ralf Husmann, 50, gilt als einer der witzigsten Drehbuchautoren Deutschlands. Er ist der Mann, der Stromberg (Christoph Maria Herbst) erfand, jenen fleischgewordenen Albtraum eines Vorgesetzten. Er hat auch den genial-verpeilten „Dr. Psycho“ (Christian Ulmen) und den „kleinen Mann“ (Bjarne Mädel) erfunden. Seine TV-Helden, das sind Antihelden. Launenhafte Diven, die zwischen Hybris und Minderwertigkeitskomplexen zerrissen sind. Arme Würstchen, aber auf ihre Weise trotzdem liebenswert. Zwar verkörpern sie sämtliche Klischees, die man Männern gerne andichtet, aber Husmann hat diese Klischees ironisch gebrochen. Daran muss man denken, wenn man ihm gegenüber sitzt. Ein Café in Berlin-Kreuzberg. Beinahe hätte man ihn übersehen, in seiner Strickjacke und mit Seitenscheitel.

Er versorgt das Who’s Who des deutschen Humors mit Pointen. Mit Sätzen, die so gestochen scharf sind, dass Insider schon an diesem immer leicht lakonischen Sound erkennen, dass das ein echter Husmann ist. Es sind Sätze wie: „Wer Schnitzel will, muss Schweine schlachten. Mit einem Herz aus Buttercremetorte kommst du da nicht weiter.“ Doch den Applaus kassieren andere. „Ach“, sagt er, wenn man ihn darauf anspricht. Wenn ihn das wurmen sollte, dann versucht er, es sich nicht anmerken zu lassen. So ist das eben – auch mit seinen Figuren. Die sind schillernder als er, vor allem Stromberg.

Eine Figur, von der er sagt, sie stünde ihm vielleicht noch ein bisschen näher als die anderen. Arrogant, aber unbeholfen – und unfähig, über seine Gefühle zu reden, vor allem im Umgang mit Frauen. Er sagt: „Christoph und ich haben uns darauf geeinigt: 78 Prozent sind von mir – den Rest gibt er dazu.“ Aber der Stromberg ist Geschichte, nach fünf Staffeln, einem Kinofilm und allen wichtigen TV-Preisen, die er gewonnen hat. Es war Ende der 90er-Jahre. Husmann war als Kabarettist durch die Provinz getingelt. Nebenher drehte er lustige Spots fürs Privatfernsehen. So wurde die Firma Brainpool auf ihn aufmerksam. Er wurde Autor für Harald Schmidt. Für ihn ein Schlüsselerlebnis. Er sagt, Schmidt habe seine Gags einfach besser verkauft, als er es selber je gekonnt hätte. Und spätestens da habe er sich eingestehen müssen: „Ich bin einfach kein guter Schauspieler und Entertainer.“ Für das Fernsehen war dieser Mann ein Glücksgriff. Inzwischen eilt ihm der Ruf voraus, er sei einer der wenigen Drehbuchautoren, denen man zutraut, eine Sitcom zu entwickeln, die auch in den USA wettbewerbsfähig wäre. Den „heimlichen King of Comedy“ nennt man ihn. Oder auch: einen „Meister des Erbärmlichen“. Das ist durchaus als Kompliment zu verstehen.

In einer neuen ARD-Komödie („Vorsicht vor Leuten“) lotet er die Grenze zur Fremdscham wieder so souverän aus, wie das nur einer kann, der selber aus einfachen Verhältnissen kommt. So wie er, als Sohn eines Hilfsarbeiters in einer Schnapsfabrik. Husmann sagt: „Man war von Schnaps umgeben, quasi.“ Humor war sein Ausweg. „Vorsicht vor Leuten“ ist die Verfilmung seines zweiten Romans. Die Geschichte von Lorenz Brahmkamp (Charly Hübner), einem notorischen Lügner und Loser. Seine Frau hat ihn verlassen, sein Stuhl in der Verwaltung einer Kleinstadt wackelt, da setzt ihn sein Chef auf den Selfmademillionär Alexander Schönleben (Michael Maertens) an. Der will den Ort mit einem Megapark samt Golfanlage aufpimpen, er soll ihm auf die Finger schauen. Zu spät erkennt Brahmkamp, dass er es mit einem Hochstapler zu tun hat. Doch irgendwie mag er den Mann.

Der Autor hat sich für ein Weder-Noch-Ende entschieden. Typisch Husmann. Einen Anti-Böll, so nennt er sich selber. „Heinrich Böll hat immer gesagt, die kleinen Leute sind die Guten. Ich finde, man ist nicht automatisch der Gute, weil man weniger Chancen hat, was falsch zu machen.“

ARD, „Vorsicht vor Leuten“, 25.2. um 20.15 Uhr.