Ausstellung

Der Mann, der dem Jugendstil seinen Namen gab

Das Bröhan-Museum entdeckt den Künstler Hans Christiansen

Bekannt geworden ist der Künstler mit seinen Coverillustrationen für die Zeitschrift „Die Jugend“. Sie gab dem Jugendstil seinen Namen. Dabei geriet Hans Christiansen selbst in Vergessenheit. Zu Unrecht, wie man jetzt sieht. Im Bröhan-Museum ist jetzt das vielseitige Werk des Flensburgers in einer ersten Retrospektive zu entdecken. Er umgarnte schöne Frauen und symbolische Blumen in geschwungenen Linien auf Gemälden und Plakaten, entwarf aber auch Keramik, Mode, Bestecke und Tapisserien.

Welcher Künstler besitzt heute noch solche Fertigkeiten in unterschiedlichen Techniken, malt, schreibt Bücher über die Lösung der Weltprobleme, kreiert Möbel? Großherzog Ernst Ludwig von Hessen hatte den gelernten Dekorationsmaler mit Vorliebe für Japonismus 1898 nach Darmstadt berufen. Er lockte mit einem Professorentitel und viel Freiheit. Christiansen erhielt ein festes Salär und errichtete mit dem aus Wien stammenden Architekten Olbrich die Villa „In Rosen“. In seinem Wohnhaus zeigte er viele Facetten seiner Kunst. Die kann nun auch der Besucher bestaunen. Rund 250 Objekte vom Schmuck über die Lithographie bis zum klassizistisch anmutenden „Goldenen Salon“ geben Einblick in das Schaffen eines Chamäleons, das sich, je nach Auftrag, auch anderen Stilen anpassen konnte. Hauptleihgeber sind die Mathildenhöhe Darmstadt und der Museumsberg Flensburg. Von dort kommt die Sonderschau, die mit dem Bröhan-Museum und der Villa Stuck entstand.

Christiansen habe den „Sprung zum modernen Produktdesign“ verwirklicht, schwärmt Mitkurator Philipp Gutbrod. Der sensible Künstler war seiner Zeit voraus, auch wenn ihn seine Vorliebe für blumig Rankendes als typischen Jugendstilallrounder ausweist. Die letzten Jahre seines Lebens waren überschattet durch die Repressalien des Nationalsozialismus. Wegen seiner jüdischen Ehefrau mit Schreib- und Malverbot belegt, schrieb und malte er heimlich weiter. Sein selbstloser Einsatz für seine Gattin bewahrte sie vor der Deportation. Er selbst starb 1945, noch bevor der Krieg zu Ende ging.

Bröhan-Museum, Schloßstr. 1a, Charlottenburg. Di–So 10–18 Uhr. Bis 24. Mai