Konzert-Kritik

Nur noch halb so füllig, aber doppelt beweglich

Eine völlig verwandelte Alison Moyet in Huxleys Neue Welt

Sie hat dem Synthie-Pop der 80er-Jahre mit ihrer dunklen Altstimme menschliche Wärme gegeben. Neben Vince Clarke war Alison Moyet die andere Hälfte des Elektro-Duos Yazoo und landete mit Stücken wie „Only You“ oder „Don’t Go“ Welthits. Auch mit ihren Soloalben konnte die scheue Engländerin überzeugen. Doch immer länger wurden die Pausen bis zur nächsten Veröffentlichung. Immer öfter zog sie sich für Jahre zurück. Moyet widmete sich mit unterschiedlichen Formationen dem Blues, dem Jazz, dem Pop und ist nun wieder heimgekehrt ins Reich der Synthesizer. „The Minutes“ heißt ihre aktuelle Platte, mit der sie nach sechs Jahren Pause wieder in den britischen Album-Top-Ten gelandet ist. Am Mittwochabend stellte eine gereifte, lebenserfahrene und bestens gelaunte Alison Moyet ihre neuen Stücke im gut gefüllten Huxleys an der Hasenheide vor.

Die stets zurückhaltende und immer etwas füllige Sängerin hat eine unheimliche Wandlung durchgemacht. Rank und schlank tanzt sie am Mikro. Sie hat sich sozusagen halbiert. Wie immer sie das geschafft hat – sie redet nicht drüber. Hat sie sich früher je so viel bewegt? Man spürt den Spaß, den sie auf der Bühne hat. Man fühlt die Lust, die sie in ihre neuen Lieder legt. Zwei Musiker stehen ihr zur Seite. Links hat sich John Garden hinter einem Turm aus Keyboards postiert, rechts bedient Sean McGhee Tasten und Drum-Machine. In ihrer Mitte steht die 53-jährige Alison Moyet auf einem kleinen Podest, das sie den ganzen Abend nicht verlassen wird und das zu ihrem kleinen Dancefloor wird.

Und wieder stellt sich dieser schon aus den 80er-Jahren bekannte Effekt ein. Während die ratternden, mäandernden Sounds von maschineller Kühle durchzogen sind, schürt Alison Moyet mit ihrer berückend bluesigen Altstimme die Emotionen. Sie haben die Stücke zeitgemäß aufgepeppt. Alison Moyet wirkt auf sympathische Weise aufgedreht. Sie redet viel mit den Fans. Sie lacht viel. Es gibt viele neue Stücke. Aber natürlich gehören auch all die alten Erfolge zum Programm, wie die Yazoo-Ballade „Only You“, der Dancefloor-Feger „Situation“ oder „Love Resurrection“.

Auch ihrem größten Yazoo-Hit, der als letzte Zugabe durchs Huxley’s peitscht, hat Alison Moyet einen modernen Anstrich verpasst. „Don’t Go“ bringt das Publikum noch mal so richtig in Bewegung. Die Rückkehr zum Synthie-Pop ist Alison Moyet gut bekommen. Sie könne kaum Deutsch, sagt sie einmal. Nur ein paar kurze Sätze. Vor allem diesen: „Ich bin glücklich“. Und das meine sie ernst. Man nimmt es ihr ab.