Ausstellung

Eigene Sprache: Textilgemälde, die Welt deuten wollen

Der Künstler Abdoulaye Konaté aus Mali bei Blain|Southern

Leicht flattern sie im Luftzug, der kaum merklich durch den Galerieraum weht. Die kleinen Stoffstreifen, aus denen der malische Künstler Abdoulaye Konaté seine Textilgemälde fertigt. Abstrakte, großformatige Kompositionen in kräftigen Farbtönen, Abstufungen von Orange, Blau, Grün und Schwarz mit minimalistischen kreuzartigen Strichzeichnungen darin, alles freilich nicht gemalt, sondern aus handgefärbten, schmalen Textilfahnen komponiert, die übereinandergeschichtet lose von der Leinwand hängen. Mark Rothko aus Stoff, möchte man meinen, und ähnlich meditativ ist die Wirkung, die von diesen Werken ausgeht. Für den Künstler selbst haben sie genau diese Funktion, erzählt Koyo Kouoh, die Kuratorin der Werkschau „Useful Dreams“ in der Galerie Blain|Southern.

Abdoulaye Konaté gilt als einer der bedeutendsten afrikanischen Künstler seiner Generation und ist längst im westlichen Kunstbetrieb angekommen. 2007 war er auf der Documenta 12 in Kassel vertreten, seine Werke wurden im Centre Pompidou in Paris, in der Hayward Gallery in London sowie im Museum für Moderne Kunst in Frankfurt gezeigt und sind mehrfach ausgezeichnet worden. Bei Blain|Southern schlägt sich das auf die Preise nieder: Für seine Werke werden 25.000 bis 70.000 Euro verlangt.

Neben neun neuen Werken, die eigens für die Ausstellung geschaffen wurden, will die Schau eine Bestandsaufnahme der Arbeit Konatés seit den 90er-Jahren sein. Insofern dürfen die gesellschaftspolitischen und umweltbezogenen Themen nicht fehlen, die er in seiner figurativen Symbolsprache immer wieder in Textilwerken verarbeitet.

Eine Figur auf Stoff mit einem echten Koffer darunter, der Kopien von Leonardo da Vincis Madonnen und Papiere enthält, die von einer roten Schleife, dem Symbol der Solidarität mit den AIDS-Opfern, zusammengehalten werden, spielt auf die Auswirkungen der HIV-Infektion in Afrika an. Die Installation „Bosnia, Rwanda, Angola“ von 1995, bestehend aus vier Laken mit roter Farbe, die an Blutflecken erinnern, und einem Flickenteppich aus getragenen Kleidungsstücken davor, zeugen von Genoziden nicht nur auf dem afrikanischen Kontinent.

Abdoulaye Konaté wurde 1953 in der malischen Stadt Diré geboren und lebt heute in Bamako, der Hauptstadt Malis. Dort arbeitet er als Künstler und außerdem Direktor des dortigen Konservatoriums für Kunst und Medien. Ursprünglich ist er als Maler ausgebildet – zunächst in Bamako und dann in Havanna – und der Blick des Malers ist in allen seinen Arbeiten deutlich spürbar.

Irgendwann wurde Abdoulaye Konaté klar, dass er sich eine Kunst schaffen wollte, die zwar globale Themen aufgreift, aber eine spezifisch malische Technik nutzt. So besann er sich auf die Webkunst Malis, eine eigene Tradition, die auch für den Reichtum des Kontinents steht und früheren Künstlern als Ausdrucksmittel diente.

Abdoulaye Konaté. Useful Dreams bis 18.04.2015, Di–Sa 11–18 Uhr. BLAIN|SOUTHERN, Potsdamer Str. 77–87