Goldener Bär

Berlinale-Gewinner nur eingeschränkt glücklich über Auszeichnung

Jafar Panahi hätte „Taxi“ lieber erst in seiner Heimat gezeigt. Im Iran aber steht er in der Kritik

Der iranische Filmemacher Jafar Panahi ist glücklich über den Erfolg seines Film „Taxi“ bei der 65. Berlinale – aber mit einem Wermutstropfen: Er wäre noch glücklicher, wenn er wieder im Iran vernünftig arbeiten und seine Filme dort bei Festivals zeigen dürfte. „Natürlich bin ich glücklich, sowohl für mich als auch für die iranische Filmindustrie“, sagte Panahi am Sonntag in einem Interview der Nachrichtenagentur ILNA. Aber er hätte den Film noch lieber beim Fadschr Film Festival in Teheran gezeigt als in Berlin.

„Jeder Filmemacher will, dass sein Film erst zu Hause gezeigt wird“, sagte Panahi. Er habe daher auch der Filmabteilung im Kultusministerium mitgeteilt, dass sie „Taxi“ doch beim Fadschr Festival – das auch im Februar stattfand – aufnehmen sollten. In dem Fall hätte er die Berlinale gebeten, den Film dort aus dem Wettbewerb zu nehmen. Die Behörden wollten dann Panahi zufolge eine Bedenkzeit – aber hätten sich nicht mehr gemeldet.

Die Kritik im Iran, dass die Berlinale seinetwegen zu einem Politikum geworden sei, lehnte Panahi entschieden ab. „Die Verantwortlichen reden immer von einer politischen Mauer im Ausland, obwohl sie erst mal die Mauern, die sie selbst errichtet haben, abschaffen sollten“, sagte der Filmemacher. Besonders die iranische Filmindustrie sei seit Jahren politisiert – und zahlreiche Filme seien somit Opfer dieser Politisierung geworden. „Bevor man anderen eine Moralpredigt hält, sollte man zunächst vor der eigenen Tür kehren“, sagte der Regisseur.

Der Goldene Bär für Panahis Film „Taxi“ sorgte bei den konservativen Medien im Iran für Kritik. Die Nachrichtenagentur Tasnim nannte die Preisverleihung „Höhepunkt der politischen Spielereien bei der Berlinale“. Das Nachrichtenportal Maschregh bezeichnete die Entscheidung der Berlinale als ein politisches Zeichen gegen den Iran. Der Filmmacher habe den Preis bekommen, obwohl ein „Großer“ wie Terrence Malick leer ausgegangen sei. Der 54-jährige Panahi kann den Iran seit 2010 nicht mehr verlassen, er wurde wegen Propaganda gegen das eigene Land verurteilt. Jurypräsident Darren Aronofsky hingegen hat den Film als „einen Liebesbrief ans Kino“ gewürdigt. Dieser sei gefüllt von Panahis „Liebe zu seiner Kunst, seiner Gesellschaft, seinem Land und seinem Publikum“.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) hat den Berlinale-Preis auch als politisches Zeichen und Mahnung gewürdigt. „Denn es ist nicht zuletzt die Kunst, die dort Brücken baut, wo Diplomatie und Politik an ihre Grenzen stoßen“, betonte Grütters.

„Sehr verdient“ nannte Grütters den Silbernen Bären für Sturla Brandth Grøvlen, den Kameramann von Sebastian Schippers Echtzeitthriller „Victoria“. Der Film lebe geradezu von seiner atemlosen Experimentierfreude und riskiere zum Beispiel durch den Verzicht auf den Schnitt viel. „Diese Ermutigung zum Experiment ist die Grundlage staatlicher Kulturförderung“, so Grütters. Festivalchef Dieter Kosslick habe mit vielen herausragenden Filmen und hoher Starpräsenz die Berlinale wieder zu einer „großartigen Bühne der internationalen Filmkunst“ werden lassen.