Ausstellung

Wenn es an der Tür klingelt

Fotografin Claudia Reinhardt hat berühmte Liebespaare nachgestellt

Die Themen Tod und Vergänglichkeit waren schon immer fester Bestandteil der Bildenden Kunst, ob man an den Romantiker Caspar David Friedrich („Das Eismeer“, 1823/24), an Andy Warhols „Electric Chair“ (Serie aus dem Jahr 1971) oder an Gerhard Richters „Präsident Johnson versucht Mrs. Kennedy zu trösten“ (1963) denkt. Die Berliner Künstlerin und Fotografin Claudia Reinhardt hat sich intensiv mit der Todesthematik beschäftigt und in ihrer Serie „Killing Me Softly“ (2004) den Freitod verschiedener Künstlerinnen mit sich selbst als Model nachgestellt.

In ihrer Serie „Liebespaare“ (2014) hat sie bekannte Paare wie Heinrich von Kleist und Henriette Vogel, Stefan Zweig und seine Frau, Petra Kelly und Gert Bastian, die sich gemeinsam das Leben genommen haben, auf Farbfotografien mit Laiendarstellern reinszeniert. Nun hat sie die Ausstellung „Exitus. Tod, Trauer, Melancholie“ in der Galerie im Körnerpark kuratiert. Als Künstlerin tritt sie hier auch mit „Liebespaare“ in Erscheinung.

Die Ausstellung besticht mit eindrucksvollen Arbeiten auf hohem künstlerischen Niveau. Viele der beteiligten Künstler stammen aus dem skandinavischen Raum. Reinhardt lehrt an der Bergen National Academy of the Arts (Norwegen). Der Künstler Sverre Malling hat die Gerichtsverhandlungen mit Anders Behring Breivik in Oslo als offizieller Gerichtszeichner mitverfolgt. Sein Portrait des Massenmörders ist hier erstmalig in Deutschland ausgestellt.

Beklemmend stille Häuserzeile

Mattias Härenstam unternimmt in seiner Videoarbeit „Rekonstruction“ (2013) den Versuch, den Selbstmord des Vaters bis ins Detail nachzuverfolgen. Dabei bekommt der Betrachter keine schrecklichen Szenen zu sehen, nur eine beklemmend stille, saubere Häuserzeile im schwedischen Dorf der Eltern. Was die plötzlich aus dem Haus eilende schreiende Mutter gerade gesehen hat, bleibt dem Zuschauer erspart. Sehr bewegend sind auch die Selbstportraits der britischen Fotografin Jo Spencer, die 1992 nach zehnjährigem Leiden an Krebs starb. Auf einem Schwarzweiß-Foto ist sie vor ihrer eigenen Grabgrube zu sehen. Auf einem anderen Bild drückt sie verzweifelt einige Teddybären an sich. Der Maler Thomas Henriksson hat eine Serie von „Feuerbildern“ (2013) gemalt, nachdem er in seinem Studio einen lebensgefährlichen Brandunfall überlebt hat. Der Norweger Per Teljer präsentiert mit „Mordbrand. Brandstiftung“ (2014) eine handwerklich hervorragende Kohle-Grafit-Zeichnung, die man wegen ihrer Naturtreue zunächst für ein Foto hält. Sie bezieht sich auf einen realen Fall von Brandstiftung.

Jannicke Lakers Film „As You Read this“ (2010) bildet den dramatischen Abschluss der Ausstellung: In verschiedenen Szenen wird eine einsame junge Frau gezeigt, die ihre Wohnung nicht mehr verlässt und langsam verwahrlost. Sie nimmt keine Anrufe mehr entgegen, lässt Jobangebote verstreichen. Ein Lieferservice bringt das Essen. Sie schläft, isst, trinkt auf dem Boden. Ihren Selbstmord erahnt der Zuschauer nur, als aus dem Badezimmer lange Zeit nur noch das Rauschen von Wasser zu hören ist und auf ein Klingeln an der Haustür keine Reaktion erfolgt.

Galerie im Körnerpark, Schierker Str. 8, Neukölln. 12051 Berlin Di-So 10-20 Uhr. Bis 19.4.