Wettbewerb

Der Himmel über Tokio, frei nach Wim

Ten no Chasuke Diese Berlinale war eine Wenders-Berlinale. Allgegenwärtig war der Berliner Filmemacher, mit alten Filmen, mit neuem Film, mit Workshops und Ehrenbär. Da scheint es nur folgerichtig, dass der Wettbewerb mit einem Film beschließt, der sich ganz offensichtlich auf eines der ganz großen Wenders- Werke bezieht. „Ten no Chasuke“ vom japanischen Regisseur Sabu spielt im Himmel. Dort sitzen keine Engel, sondern Drehbuchautoren, die in mildem Orangelicht an langen Schriftrollen Szenen schreiben, die dann am nächsten Tag auf Erden passieren. Chasuke (Ken’ichi Matsuyama) ist kein Autor, er darf nur den Tee servieren, rät aber einem einfallslosen Engel zu mehr Avantgarde. Das aber führt dann zu einem vorzeitigen Verscheiden der Protagonistin. Da die Rollen schon beschrieben und von der obersten Spielleitung bereits eingezogen sind, gibt es nur ein Mittel, das rückgängig zu machen: Er muss sich auf die Erde fallen lassen.

Einmal dort angekommen, begnügt sich der göttliche Teeservierer aber nicht mit der einmaligen Kurskorrektur. Fortan will er jeden mit furchtbarem Drehbuch retten. Das ist natürlich ein kühnes Unterfangen. Zumal wenn ein Film sich selbst von einem anderen Drehbuch inspirieren ließ. Sabu macht aus seiner himmlischen Komödie dann doch ein ganz eigenes Ding, eine wilde Mär zwischen Karaokebars und Yakuza- Kämpfern. Dabei werden noch ganz andere Filmklassiker zitiert und immer, wenn eine neue Figur auftritt, deren Leben als Kurztrailer erzählt. Das alles ist hübsch und unterhaltsam in einem doch ziemlich erdschweren Wettbewerb. Hat unter den Bären-Anwärtern aber nichts recht zu suchen und verstört zunehmend durch den typisch japanischen Mix aus Witz und Brachialgewalt. Die Pointe liegt nahe, aber auch diesem Film hätte ein Engel, der das Drehbuch aufbessert, ganz gutgetan. Im Zweifel guckt man lieber noch mal das Wenders-Original in der Hommage.

Termine 14.2., HdBF, 15 und 20 Uhr; Friedrichstadtpalast, 15 Uhr.