Berlinale Special

Lügen und Geheimnisse

Die abhandene Welt In Margarethe von Trottas neuem Film verbünden sich Altersdemenz und die grenzenlose Welt des Internets, um das Leben aufs Kräftigste zu erschüttern: Paul (Matthias Habich), Vater der Düsseldorfer Chanteuse Sophie (Katja Riemann), entdeckt auf einer Website das Foto einer Opernsängerin namens Charlotte (Barbara Sukowa), die Sophies verstorbener Mutter Evelyn zum Verwechseln ähnlich sieht. Dem alten Grantler raubt das den Schlaf, Sophie besucht die widerspenstige Charlotte und verliebt sich in deren Agenten. Währenddessen erkennt Rosa (Karin Dor), die Mutter des Opernstars, auf einen Foto ihre „liebe Evelyn aus Rom“ – ihre fortgeschrittene Demenz macht es ihr unmöglich, eine Lebenslüge weiter aufrechtzuerhalten. Eine spannende und potentiell tiefgründige Geschichte deutet sich hier an.

Von Trotta inszeniert sie jedoch in einer eigenartigen Mischung aus Mystery-Thriller, Kitschromanze und vertracktem Familiendrama. So hätten vielleicht Roger Corman und Claude Chabrol ein ironisches Portrait weltbürgerlicher Alt-68er aus der Feder von Rosamunde Pilcher verfilmt. Als zum wiederholten Male die Kamera auf jemanden zuschnellt, der verschreckt die Augen aufreißt und an einem offenen Sarg Mahlers „Ich bin der Welt abhanden gekommen“ ertönt, ist der Ausrufezeichen Genüge getan. Irgendwann verprügeln sich dann zwei verfeindete Brüder mit Schnittblumen. Da muss auch Katja Riemann lachen, die als Sophie zuvor etwas fassungslos die Szene vom Sofa aus beobachtete. Und mit diesem Lachen keimt langsam die Erkenntnis, dass wir es hier eigentlich mit einer Komödie zu tun haben, die aus unerfindlichen Gründen im Nachhinein durch erdenschwere Musik und dramatische Soundeffekte an ihrer Entfaltung gehindert worden ist.

Bis zum Kinostart im Mai ist etwas Zeit, da ließe sich noch was machen. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Film erst nach seiner Festivalpremiere seine gültige Form findet.

Termin Cubix 8, 14.2., 18 Uhr