Theater-Kritik

Es ist verdammt kalt im Staate Dänemark

Alexander Nerlich inszeniert „Hamlet“ in Potsdam

Schneeflocken. Selbst der Geist ist festgefroren. Es ist verdammt kalt im Staate Dänemark, in Alexander Nerlichs „Hamlet“- Inszenierung sind auch die zwischenmenschlichen Gefühle vereist.

Es gibt nur wenige Stücke, die so vertraut daherkommen wie dieses Drama von Shakespeare. Nerlich lässt am Hans Otto Theater so ziemlich jedes Bonmot sprechen – und gefühlt alle Szenen ungekürzt spielen. Erst nach der Pause geht es zur Sache. Die Totengräberszene – gestrichen. Das Fechtduell zwischen Hamlet und Laertes (Eddie Irle) wird zum Faustkampf. Die Königin (Meike Finck) liegt irgendwann leblos auf dem Boden. Aber warum? Denn das Gift, das eigentlich Hamlets Leben todsicher beenden sollte, aber von Gertrud getrunken wurde, es taucht nicht auf.

Nerlichs Inszenierung im zweiten Teil wirkt so, als ob der Regisseur während der Endproben erschrocken festgestellt hätte, dass der Abend aus den Fugen gerät. Und ja, er ist mit über drei Stunden immer noch entschieden zu lang, weil Nerlich sich nicht entscheiden kann, welche Geschichte – jenseits von Macht, Angst, Misstrauen und Überwachung, die allgegenwärtigen Mikrofone dienen auch zum Abhören – er erzählen will. Der Regisseur hat viele Ideen, aber die Aufführung lässt einen unberührt.

Der Wahnsinn hat Methode

Diese Unentschlossenheit färbt auf den Hauptdarsteller ab. Alexander Finkenwirths Wahnsinn hat Methode, seine Figur aber ein Glaubwürdigkeitsproblem. Blass bleiben die Frauen, Ophelias (Zora Klostermann) stärkste Szene ist die, bwi der sie auf dem flockenbedeckten Bühnenboden mit Schwimmbewegungen in ihr Grab gleitet – das Ganze wird mit einem Spiegel, eine Art segmentierter, beweglicher Eiserner Vorhang, aus zwei verschiedenen Perspektiven den Zuschauern gezeigt. Zweites zentrales Element auf Wolfgang Menardis Bühne sind schwarz bezogene Matratzen, die auch mal zum Sofa aufgeschichtet werden.

Bernd Geiling hat als Polonius eine dankbare Rolle, er ist das Machtzentrum am Hofe. König Claudius (Wolfgang Vogler), durch Brudermord auf den Thron gekommen, interessiert sich vorzugsweise für die neue Gattin und gepflegte Fesselspiele. Rosenkranz und Güldenstern (Dennis Herrmann, Philipp Mauritz) erscheinen im Mod-Look auf der Bühne, schließlich kommen sie ja frisch aus England. Friedemann Eckerts Horatio ist der verlässlich gute Freund. Der Rest ist Schweigen.

Hans Otto Theater, Schiffbauergasse 11, Potsdam. Tel. 0331/98 11-900. Vorstellungen: 7., 8., 18. und 28. Februar