Konzert

Ständchen für Sibelius

Die Philharmoniker unter Simon Rattle spielen seine Sinfonien

Die Geburtstagsfeier für Finnlands großen Komponisten hat begonnen. Vor 150 Jahren wurde Jean Sibelius geboren. Im November zwar, doch die Berliner Philharmoniker beginnen schon jetzt, ihn zu ehren. Bereits vor fünf Jahren hat Sir Simon sein Orchester und das Berliner Publikum in Sibelius’ Klangkosmos geführt. Jetzt feiern die Philharmoniker den 60. Geburtstag ihres Chefdirigenten Simon Rattle, der sich am 19. Januar jährte, mit einem Sibelius-Zyklus erst in Berlin und dann bei einer einwöchigen Residenz des Orchesters in London. In Berlin erklingen an diesem Wochenende in drei Konzertprogrammen seine sieben Sinfoniensowie sein Violinkonzert mit Leonidas Kavakos.

Ein Paukenwirbel, vom getupften Pianissimo anschwellend zu einem kernigen Mezzoforte, wieder zurückgenommen zu einem Wattestäbchentippen auf die mächtigen Kessel im Rücken des Orchesters. So beginnt Jean Sibelius‘ 1. Sinfonie, die er als Student in Berlin geschrieben hat. Der Finne scheint dieses Instrument geliebt zu haben, denn es ist in all seinen Orchesterwerken besonders ausdrucksstark eingesetzt. Die Soloklarinette setzt, wie aus dem Nebel tretend, das Thema dagegen, welches im Verlauf der Sinfonie immer wieder auftaucht. Andreas Ottensamer spielt es verwirrend wenig brillant und emotional. Das liegt nicht an einer Ausdrucksschwäche, sondern an der Schnörkellosigkeit von Sibelius’ Musik.

Sibelius kreiert Fabelwesen und Naturgeräusche, indem er den einzelnen Instrumenten ganz unbekannte Klangfarben abverlangt. Seine Musik ist in einem Moment flüchtig und leicht, im nächsten in unfassbar kraftstrotzenden Haltetönen der Kontrabässe fast räumlich ausgedehnt. Die Unendlichkeit, schon glücklich zu ahnen, reißt gleich im nächsten Augenblick unpathetisch ab. Kein Platz für Illusionen ist in dieser ersten Sibelius-Sinfonie. Obwohl der Komponist als Ausgangspunkt das nur wenige Jahrzehnte zuvor aufgeschriebene finnische Nationalepos „Kalevala“ wählte, eine Mythensammlung in über 20.000 Versen.

Zur gleichen Zeit findet sich eine berührende Utopie in seiner Musik. Wenn nicht in konkreten Bildern, dann in Energieströmen. Die 2. Sinfonie ist ein einziges großes Flirren. Sibelius’ Klang aus seinem Werk „herauszuschälen“, sei eine besondere Kunst, sagt Simon Rattle in einem Videointerview auf der Homepage der Berliner Philharmoniker.