Filmfestival

„Wir wollen berührt werden“

Sie sind die ersten Stars des Festivals: Die Glorreichen Sieben der Jury

Mitglied in einer Jury zu sein, kann anstrengend werden, zumal auf einem Filmfestival wie der Berlinale. Zehn Tage muss man sich mit seinen Mitjuroren jeden Tag mehrere Wettbewerbsfilme ansehen, nicht selten wird man dabei mit dem Elend der Welt konfrontiert. Bei der Entscheidungsfindung krachen dann starke Persönlichkeiten aufeinander, am Ende will jeder seinen Lieblingsfilm gewinnen sehen. Soweit zumindest eine weitverbreitete Vorstellung.

Um diesen Eindruck ein wenig zu zerstreuen, stellt sich die Berlinale-Jury traditionell am ersten Tag des Festivals der Presse und suggeriert – je nach Temperament – Harmonie, Ernsthaftigkeit oder wenigstens Diskussionsbereitschaft. Nicht immer gelingt das. Um die diesjährige Jury, die sich Donnerstagvormittag auf dem Podium versammelt, muss man sich aber wohl keine Sorgen machen. Da wird herzhaft gelacht und sich gegenseitig geneckt, als wären die Glorreichen Sieben auf einem Klassenausflug. Von Hierarchien hält sowieso niemand etwas, die Frage einer chinesischen Kollegin etwa, ob seine Stimme als Jurypräsident am Ende mehr zähle als die der anderen, verneint US-Regisseur Darren Aronofsky, schließlich befinde man sich hier in einer Demokratie.

Dabei gibt es einen klaren Regieüberhang, 4:3. Aus Peru ist Claudia Llosa dabei, die 2009 selbst den Goldenen Bären gewonnen hatte, aus Südkorea Bong Joon-ho, aus den USA Matthew Weiner, Erfinder der Serie „Mad Men“. Auf der anderen Seite die Filmstars Audrey Tatou aus Frankreich sowie der Berliner Daniel Brühl, dazu die amerikanische Produzentin Martha De Laurentiis.

Die gute Laune komme bei der Auswahl der Beiträge von ganz alleine, glaubt Darren Aronofsky. Ganz offen will er in jeden Film gehen, er habe sich bewusst keine Beschreibungen durchgelesen. „Ich habe keine Ahnung, was im Wettbewerb läuft. So wird jeder Tag wie Weihnachten!“

Als ein deutscher Radioreporter Matthew Weiners Nachnamen falsch ausspricht, wie ein Würstchen, und sich gleich dafür entschuldigt, meint der Fernsehmann nur trocken: „Passiert mir öfter.“ Er müsse sich noch daran gewöhnen, in einer Jury zu sitzen, in der nicht über Kriminelle gerichtet wird, sondern über Künstler. Doch um ein Urteil gehe es eh nicht, betonen alle immer wieder unisono, und der Äpfel-mit-Birnen-Vergleich wird mal wieder hervorgeholt, sondern darum, die Filme zu feiern.

Am Ende spricht der Präsident doch noch ein Machtwort und erteilt dem Berlinale-Trend für politische Gewinner eine klare Absage: „Wir suchen keine Botschaft, wir wollen von einem Film bewegt und berührt werden. Danach halten wir Ausschau.“