Unglück

Herzinfarkt am Dirigentenpult

Israel Yinon stirbt beim Konzert in Luzern vor den Augen des Publikums

Der Dirigent Israel Yinon ist während eines Konzerts in der Schweiz an einem Herzinfarkt gestorben. Der 59-Jährige sei am Donnerstagabend auf der Bühne des Kultur- und Kongresszentrums Luzern vor den Augen der Zuhörer zusammengebrochen, bestätigte der Veranstalter am Freitag. Yinon dirigierte die „Alpensinfonie“ von Richard Strauss, als er auf dem Podium kollabierte und kopfüber auf den Boden des Konzertsaals stürzte. Es gab entsetzte Schreie von Musikern und Gästen. Ärzte versuchten vergeblich, den 59-Jährigen zu retten. Er wurde später im Krankenhaus für tot erklärt. Das Konzert wurde nach 50 Minuten abgebrochen. Das Publikum wie auch die Musiker der Jungen Philharmonie Zentralschweiz verließen den Saal.

Der israelische Dirigent leitete als Gast international renommierte Orchester wie das BBC Symphony Orchestra, das Jerusalem Symphony Orchestra, das Royal Philharmonic London oder auch das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin. Mit dem Berliner Orchester gestaltete er am 2. Dezember 2004 das Sonderkonzert zum 50. Jahrestag der Holocaustgedenkstätte Yad Vashem in der Deutschen Oper. Giora Feidman spielte Klarinette. Auf dem Programm standen Werke von Leonard Bernstein, Erich Wolfgang Korngold und Viktor Ullmann.

Yinon hatte sich unter anderem einen Namen mit der Entdeckung vergessener Werke gemacht, sein Schwerpunkt lag dabei auch auf Werken von während der Nazizeit als „entartet“ geltenden Künstlern. Er setzte sich für Komponisten wie Hans Krása, Pavel Haas oder Erwin Schulhoff ein, aber auch für vergessene Vertreter des deutschen Expressionismus wie Heinz Tiessen oder Eduard Erdmann. Seine Debüt-CD mit der Ersteinspielung der sinfonischen Werke Ullmanns erhielt den Preis der deutschen Schallplattenkritik. Yinon brachte auch Opern von unbekannten Komponisten zur Aufführung.

Es ist kein Einzelfall, dass Dirigenten am Pult zusammenbrechen. Das Dirigieren ist nicht nur eine mental, sondern auch eine körperlich anstrengende Tätigkeit. In Berlin erlitt Giuseppe Sinopoli am 20. April 2001 bei einer Vorstellung in der Deutschen Oper einen Herzinfarkt. Sinopoli sollte eigentlich 1990 Generalmusikdirektor des Opernhauses werden, überwarf sich aber mit dem Intendanten und trat noch vor Beginn seiner Amtszeit von seinem Vertrag zurück. Die Aufführung von Verdis „Aida“ sollte 2001 eine Versöhnungsgeste für den inzwischen verstorbenen Opernintendanten Götz Friedrich sein. Sinopoli starb kurz darauf.