TV-Kritik

Mit „Tiefe Wunden“ reicht der Taunuskrimi in die NS-Zeit zurück

In fünf Romanen ließ Nele Neuhaus das Ermittlerduo Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff bislang ermitteln, das ZDF holt sie seit 2013 auf den Bildschirm.

Auf „Schneewittchen muss sterben“ und „Eine unbeliebte Frau“ folgte im Vorjahr „Mordsfreunde“. Jetzt sind Felicitas Woll und Tim Bergmann in der Adaption von „Tiefe Wunden“ zu sehen. Diesen „Taunuskrimi“ strahlt das ZDF am 2. Februar um 20.15 Uhr aus. Die Regie übernahm Marcus O. Rosenmüller, der unter anderem für den Kinofilm „Der tote Taucher im Wald“ und die TV-Produktion „Stilles Tal“ verantwortlich zeichnete.

Von Bodenstein und Kirchhoff stehen diesmal vor einer mysteriösen Mordserie unter hochbetagten und geachteten Bewohnern der wohlhabenden Taunus-Gemeinde. Zunächst wird David Joshua Goldberg ermordet, Holocaust-Überlebender und einstiger Berater der US-Regierung, der nach 60 Jahren in den Staaten wieder in seine alte Heimat zurückkehrte. Wenig später werden ein Pensionär und die Bewohnerin eines Altenpflegeheims mit einer Waffe aus der Wehrmachtszeit aus kurzer Distanz getötet.

Die drei Fälle haben mehrere Indizien gemeinsam: Mit dem Blut der Opfer wurde die Zahl 16145 geschrieben. Sie müssen ihren Mörder gekannt haben, denn sie haben ihm die Tür geöffnet. Und die drei erhielten eine Einladung zum 90. Geburtstag der resoluten Unternehmerwitwe Vera Kaltensee, Inhaberin einer prosperierenden Maschinenbaufabrik. Zum Schlüssel wird ein weiteres Indiz: Bei den ersten beiden Mordopfern wird ein Foto von vier Gymnasiasten aus dem Jahre 1939, die in Ostpreußen gemeinsam eine Segelregatta gewannen, gefunden. Darauf ist Goldberg vielleicht 1,70 Meter groß, seine Leiche misst 20 Zentimeter mehr. Offenbar hat ein anderer die Identität des Deutschen jüdischen Glaubens angenommen – und der war Mitglied der Waffen-SS, wie eine Tätowierung auf dem Oberarm beweist. Auf die Ermittlungen der Kommissare reagieren Vera Kaltensee und ihre beiden Söhne gereizt. Offenbar wollen sie verhindern, dass die Vergangenheit ein Thema wird.

Rosenmüller hat den Film genau getimt, in dem die Vergangenheit aus der Nazizeit die Menschen in ihrer Gegenwart einholt. Großzügig sollte man dabei darüber hinwegsehen, dass einige Fakten historisch kaum stimmen können – etwa der Schulbesuch von jüdischen Kindern Ende der 30er-Jahre. Mit seiner Verquickung von Vergangenheit und Gegenwart und der Erzählkunst erreicht „Tiefe Wunden“ beinahe die Qualität der schwedischen Verfilmungen der „Millennium“-Trilogie von Stieg Larsson. Was sie von den schwedischen Krimis unterscheidet, ist die optimistische Sicht auf die deutsche Polizei, die unbestechlich bleibt.

ZDF, Mo., 2. Februrar, 20.15 Uhr.