Interview

Lionel Richie: „Ich weiß auch nicht, was mit mir nicht stimmt“

Im kommenden Monat tritt er in Berlin auf. Er füllt immer noch eine O2-World, obwohl seine erfolgreichste Zeit auch schon 30 Jahre zurückliegt. „All Hits All Night Long“, der Titel seiner bevorstehenden Tournee ist Programm. Steffen Rüth sprach mit dem 65-Jährigen.

Berliner Morgenpost:

Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie an Ihre bevorstehende Deutschlandtournee denken?

Lionel Richie:

So spontan? Wie toll die Leute es finden, wenn ich ihre lustigen Ortsnamen ausspreche. Badden-Badden zum Beispiel, oder Obbahausen.

In den USA haben Sie mit Ihrem 2012 erschienenen Country-Album „Tuskegee“ einen frischen Schub bekommen. Die Platte war auf Platz eins der Charts.

Unglaublich, oder? Und sie hat sich dort sogar sechs Wochen lang halten können. Bei „Tuskegee“ passte einfach alles. Das Konzept „Lionel singt Country“ ist einfach cool. Und deshalb machen wir das noch mal.

Sie arbeiten also an „Tuskegee 2“?

So sieht es aus. Ich mache gerade zwei Alben parallel. Neben der Fortsetzung von „Tuskegee“ plane ich ein sehr junges und modernes Album. Ich will mit coolen Leuten wie Pharrell Williams, Max Martin oder Bruno Mars zusammenarbeiten. Ich habe kein Interesse daran, meine Karriere langsam ausplätschern zu lassen oder so etwas Lahmes wie ein Album mit Jazz-Standards aufzunehmen.

Halten Sie sich für den jüngsten 65-Jährigen der Welt?

Kann gut sein. Ich sehe und höre die Zahl 65, aber sie kommt überhaupt nicht in meinem Kopf an, ich stelle keine Verbindung zu ihr her. Ich weiß auch nicht, was mit mir nicht stimmt. Eigentlich bin ich in einem Alter, in dem ich mir allmählich einen Stock besorgen müsste.

Ganz so alt sind Sie jetzt auch wieder nicht.

Okay, sagen wir, ich bin definitiv alt genug für diese Nordic-Walking-Stöcke, die ihr Europäer so liebt. Im Ernst, ich sage Ihnen jetzt mal was über das Alter: Im vergangenen Sommer hatten wir Klassentreffen von unserem alten Highschool-Jahrgang in Tuskegee, ich bin auch mal hingegangen und war ziemlich geschockt und erschrocken. Wie alt alle geworden sind! Das hat mich wirklich deprimiert, diese alten Gesichter und darbenden Körper zu sehen.

Was ist denn Ihr Rezept?

Ich habe zwei Rezepte. Erstens: Sport. Zwei Stunden am Tag halte ich mich fit. Ich habe einen persönlichen Trainer, der mich ordentlich schindet, ich laufe, hebe Gewichte, mache Gymnastik, das volle Programm. Das ist richtig heftig. Der Trainer kennt eigentlich nur ein Wort: „Weiter“. Und nicht zu sehr in der Vergangenheit zu leben. Was vorbei ist, ist vorbei und kommt nicht wieder. Je älter du wirst, desto mehr Gepäck sammelst du an, du bereust Dinge und Entscheidungen, du wirst schnell wehmütig.