Konzert

Der elegante Trompeter

Till Brönner bietet im Tempodrom drei Stunden lang bestes Entertainment. Über Schwächen lächelt er charmant hinweg

Der Jazztrompeter Till Brönner macht es dem Jazzpublikum nicht immer leicht. Er ist ein eleganter Virtuose auf seinem Instrument, der sich freilich stilistischer No-Gos immer wieder mit einem charmanten Lächeln entledigt. Er kann sich einer Ikone wie Chet Baker ebenso geschmackvoll widmen wie dem Westcoast-Jazz der 70er-Jahre oder konvertiert Pop, Soul und Blues zu pflegeleichtem Smoothjazz. Nun hat sich der 43-Jährige für seine neue Platte „The Movies Album“ Klassiker der Filmmusik vorgenommen, um sie mit seinem warmen Spiel in Breitwand und auf Hochglanz zu umarmen.

„The Movie Album“ heißt denn auch die Show, mit der der Musiker und sein 20-köpfiges Till Brönner Orchestra am Sonntagabend vor rund 2100 Besuchern im Tempodrom auftritt. Doch wer gekommen ist, um Kinohits von „As Time Goes By“ aus „Casablanca“ bis „My Heart Will Go On“ aus „Titanic“ zu hören, tat besser daran, sich im Foyer die CD zu besorgen. Denn so sehr sich Till Brönner auch dem Popgeschäft angenähert hat – das Spiel Ich-habe-eine-neue-Platte-und-die-spiele-ich-euch-jetzt-vor macht er nicht mit. Da weiß er mit solch einem großartigen Ensemble besseres anzufangen.

Ein Tusch gleich zu Beginn: mit einem Las-Vegas-gerechten Big-Band-Intro kündigt die markante Stimme von Drummer David Haynes den Star des Abends an: „Ladies and Gentlemen, please welcome: Till Brönner!“ Unter Jubel erscheint der Trompeter, der mit Vorliebe Flügelhorn spielt, und soliert zu Deodatos Funk-Version von Richard Strauss’ „Also sprach Zarathustra“. Immerhin ein Stück, das in der Version der Wiener Philharmoniker Titelthema von Stanley Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“ war. Das Orchester wuchtet einen mächtigen Groove ins Tempodrom, Blech- und Holzbläser errichten eine Wand aus Sound. „Guten Abend Berlin, schön Sie zu sehen“, begrüßt Till Brönner sein Publikum. Und spielt und plaudert sich einmal quer durch die jazzaffine Musikgeschichte. Big-Band-Sound à Go-Go.

Nur die Tänzerinnen fehlen

Es gibt Ausflüge nach New Orleans samt Louis Armstrongs „Swing That Music“, ein Hommage an Saxofonist Charlie „Bird“ Parker und ein „Afro Cuban Medley“. Da fehlen nur noch die Tänzerinnen. Mit „Once Upon A Summertime“ von Johnny Mercer und Michel Legrand gibt es noch ein Stück, das in seiner französischen Variante „La valse de lilas“ zu einem Soundtrack gehörte, zu Jacques Demys „Die Regenschirme von Cherbourg“ nämlich. Till Brönner hat keine Hemmungen, sich bei allem, was er gut findet, zu bedienen. Er platziert hier eine Instrumentalversion von Billy Joels „Just The Way You Are“ oder wird beim großorchestralen Mariachi-Klassiker „Cielito Lindo“ teil eines swingenden Gesangstrios.

Mit dem Sänger und Gitarristen Peter Fessler als Bühnengast widmet sich Brönner Samba und Bossa Nova und natürlich auch dem „Girl From Ipanema“. Fessler hatte in den 80er-Jahren mit Trio Rio den Hit „New York-Rio-Tokyo“ gelandet. Den wird er nach Pause im Big-Band-Arrangement auch noch singen.

Wie weit Brönners Auslegung des Jazz-Begriffs ist, bekommt man am Ende zu hören. Er sei stolz darauf, dass der älteste Jazzmusiker ein Deutscher sei, sagt er und spielt als Dreingabe Johann Sebastian Bachs „Air in G“. Till Brönner bringt einem Publikum, das selten einen Jazzclub von innen gesehen hat, die improvisierte Musik nahe. Und bietet drei Stunden lang bestes Entertainment.