Ausstellung

Joanne Greenbaums Farbpinsel sind wie ein Wirbelwind

Die New Yorker Malerin zeigt ihre Bilder in der Galerie Crone

Einer der jüngeren deutschen Malerstars betrat also die Galerie Crone, sah die monumentalen, farbexplosiven Gemälde an den Wänden und sagte: „Wow, das kann nur einer von den ganz jungen Punkmalern sein, der uns in Grund und Boden malt“. Doch da hat der Mann, der ja nicht schlecht malt, sich ziemlich getäuscht. Er ist nicht der Einzige. Die Bilder, die bei Crone die Wände aufmischen, stammen von Joanne Greenbaum, 61 Jahre alt ist die New Yorker Malerin. Ihr Pinsel ist ein Wirbelwind: der Gestus unglaublich frei, impulsiv der Zugriff auf die pralle Farbe, faszinierend ihre Mischung. So jung, so frisch, so wild kann man also malen, wenn man längst schon keine Ü-40-Party mehr besuchen mag. Wenn Greenbaums Arbeiten auf einer Messe gezeigt werden, erzählt Galerist Markus Peichl, kämen Gäste und Galeristen mit der Vermutung, am Stand träfen sie einen hippen 20-jährigen Typen.

Spätzünderin auf dem Kunstmarkt

Ihre Bilder sind wie künstlerische Antidepressiva im Großformat. Jedenfalls tragen sie zu guter Laune bei, welche Kunst kann das schon. Das Malen macht Greenbaum Spaß, das sieht man. Mit diesen Arbeiten erlebte die Künstlerin die letzten Jahre ein spätes Coming-out auf dem Kunstmarkt. Das hat viel damit zu tun, dass sie ihren Ansatz verändert hat. Ihre früheren Arbeiten sind viel grafischer, geordneter. Jetzt hat sie sich quasi „frei“ gemalt, abstrakt sind ihre Bilder, ja, aber auch wieder nicht, Linien sind wie Schlangen auf Ecstasy und Kreidestriche mutieren zum Orkan. Die New Yorkerin nimmt dabei an Materialien, was ihr gefällt: Öl, Acryl, Textmarker, Kreide, alles einzeln, alles zusammen, mehrere Schichten, mit Weiß versetzt oder mit Schwarz. Daraus entsteht ein mal dichteres, mal luftigeres Farbgewebe. Skizzen langweilen mich, hat sie mal gesagt. Kann man gut verstehen, dann müsste sie sich wieder disziplinieren.

Gerade erst im Sommer war sie in Berlin, wo sie regelmäßig ist. Am Lausitzer Platz bezog sie für einige Monate das Atelier eines Berliner Künstlers. Vier der präsentierten Arbeiten entstanden dort, auffallend viel sanfte Pinktöne sind dabei, dabei trägt man in dem Kiez bekanntlich keine rosarote Brille, sondern eher schwarze Klamotten.

Galerie Crone, Rudi-Dutschke-Str. 26. Di–Sa 11–18 Uhr. Bis 7. Februar.