Musik

Leipziger Thomaskantor hört auf

Gesundheitliche Gründe zwingen den Chorleiter Georg Christoph Biller zum Rückzug

Der Rückzug von Thomaskantor Georg Christoph Biller ist in Leipzig mit Bedauern aufgenommen worden. Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) sagte, Biller habe den Knabenchor „an die Weltspitze geführt“. Kulturbürgermeister Michael Faber ergänzte, der Chorleiter habe entscheidende Grundlagen für die Zukunft des Klangkörpers gelegt. Biller übergebe den Thomanerchor „in einer glänzenden musikalischen Verfassung“. Biller soll von der Stadt Leipzig und der Gemeinde der Thomaskirche öffentlich verabschiedet werden. Ein Termin steht jedoch noch nicht fest.

Biller musste in den vergangenen Jahren mehrmals aus gesundheitlichen Gründen pausieren. Im Januar 2015 wurde er erneut krankgeschrieben. Wie in der Vergangenheit wird Biller derzeit wivom Sänger und Dirigenten Gotthold Schwarz vertreten, sagte die Pfarrerin an der Leipziger Thomaskirche, Britta Taddiken. Schwarz leitet die täglichen Proben mit den Thomanern sowie die Konzerte des Knabenchors. Er war in den Vorjahren bereits mehrfach Interims-Thomaskantor.

Nachfolger gesucht

Die künstlerische Leitung des Thomanerchors, dessen Gründung ins Jahr 1212 zurück reicht, ist eines der traditionsreichsten Ämter in Deutschland. Der berühmteste Thomaskantor war Johann Sebastian Bach. Taddiken verwies darauf, dass der Thomaskantor ein Angestellter der Stadt Leipzig ist. Deshalb werde die Thomaskirche nun gemeinsam mit der Stadt Leipzig ein Besetzungsverfahren zur Nachfolge Billers auf den Weg bringen. Zunächst müsse eine Berufungskommission mit Vertretern der Stadt, des Chors und der Kirchengemeinde gebildet werden.

„Alle notwendigen Schritte müssen erst besprochen werden“, sagte Taddiken. Die Stadt Leipzig werde sich dazu demnächst äußern. Erwartet wird allerdings ein mehrmonatiges Berufungsverfahren, bis ein Nachfolger für Biller gefunden ist, wie Taddiken bestätigte.

Georg Christoph Biller war zum 1. August 1992 in das Thomaskantorenamt berufen worden. Am 20. September 1955 in Nebra (Unstrut) geboren, war er von 1965 bis 1974 selbst Thomaner, ehe er Orchesterdirigieren sowie Gesang studierte. 1980 wurde er Chordirektor des Leipziger Gewandhauses und lehrte als Dozent für Chorleitung an der Kirchenmusikschule Halle. Für sein Schaffen erhielt er zahlreiche Auszeichnungen.