Klassik-Kritik

Albrecht Mayer trifft auf eine neue Generation

Der Oboen-Virtuose spielt im Konzerthaus Kammermusik

Es gibt viele Weltklasse-Bläser in den Reihen der Berliner Philharmoniker. Aber nur einen Albrecht Mayer. Hypnotische, schier süchtig machende Kantilenen entweichen seiner Oboe. Klänge voller Anmut und Poesie, Intimität und Himmelsnähe. Auch als reisender Solist wandelt Albrecht Mayer schon seit Jahren auf Erfolgsspuren. Flankiert von einer unaufhörlich wachsenden Fangemeinde. Kein Wunder also, dass nun ein vermeintlich kleiner Kammermusik-Abend des Star-Oboisten zum feierlichen Massenereignis gerät. Dicht gedrängt wartet das Publikum im Konzerthaus auf Albrecht Mayer und seine jungen Begleiter.

„Meisterschüler - Meister“ – so lautet das Motto der Konzertreihe. Das Konzept: „Jugend musiziert“-Preisträger zweier Generationen treffen aufeinander. Erfahrene Weltstars und musikalischer Nachwuchs. Bach steht an diesem Abend im mehrfachen Mittelpunkt. Als Komponist, als Bearbeiter und als Inspirationsquelle gemäßigter Moderne. Cellist Gabriel Schwabe und Cembalist Vital Julian Frey haben keinen leichten Stand. In Bachs e-Moll-Sonate BWV 528 sprudelt und schillert Albrecht Mayer so allerliebst, dass alles um ihn herum im Nu verblasst.

Schwabe und Frey kehren anschließend mit Bachs g-Moll-Sonate BWV 1029 zurück. Sie bieten gepflegte Konversation und gediegenen Ausdruck. Der ebenmäßig schwellende Ton des Cellisten bestimmt das Geschehen. Barock-Spezialist Frey streut hier und da Feinsinnigkeiten der historischen Aufführungspraxis ein. So richtig blüht der Cembalist allerdings erst im Duo mit Albrecht Mayer auf. Nach der Pause – bei Alessandro Marcellos berühmtem Oboenkonzert in d-Moll. Mayer und Frey spielen es in einer Mischung aus Bachscher Cembalo-Bearbeitung und Marcellos‘ Original.

Auch Cellist Gabriel Schwabe gelingen in der zweiten Konzerthälfte herausragende Momente. Anrührend ehrlich klingt seine Version von Benjamins Brittens erste Solosuite op. 72. Schwabe scheint alles andere als ein Showmensch zu sein. Überschäumende Leidenschaften liegen ihm fern. Stattdessen senkt er sich tief in Brittens Meisterwerk. Großer Jubel danach. Noch mehr Publikumslob allerdings für Enjott Schneiders „Bach-Metamorphosen“ von 2013: ein Gute-Laune-Werk voller barocker Zitate, behutsam modernisiert und pfiffig verfremdet. Seine Partitur trägt die Handschrift eines bedeutenden Filmmusikkomponisten. Auch wenn Cellist und Cembalist in dieser Trio-Komposition kräftig mitmischen: Wieder ist es Albrecht Mayers sinnlicher Oboenklang, der das Publikum am nachhaltigsten bannt.