Kunst

Schönheit ist ein hartes Geschäft

Die Schau „Queensize“ gibt den Blick frei auf die Frauenrollen in der Kunst

Klar doch, der King benötigt mehr Platz als die Königin. Zwei Meter, die Queen muss mit der 1,35 Meter großen Matratze zurechtkommen. Thomas Olbricht lädt nun alle zu sich ein ins Ausstellungsbett: „Queensize“ heißt die Schau in seiner Sammlung me Collectors Room, die ausschließlich Künstlerinnen adelt. Große Namen und kleine Namen: Ein Drittel seiner Sammlung immerhin besteht aus weiblichen Positionen.

Der Titel ist gut, er erzeugt Aufmerksamkeit, er jongliert durchaus mit dem erotischen Klischee. Man darf das spielerisch sehen. Die Ausstellung möchte auch nicht den feministischen Zeigefinger heben, sondern Fragen stellen nach Selbstbildern, und doch fragt sie nach dem „speziell weiblichen Blick“ in der Kunst. In „Quoten“-Zeiten kann man sich diese Frage durchaus noch einmal stellen. Andererseits ist Professx Lann Hornscheidt schon weiter. Sie möchte keine Frau mehr, sondern nur noch X sein. Die einen Weg öffnen möchte, aus dem Geschlechterrollenspiel auszusteigen. Daher: Professx statt Professorin. Er/sie lehrt Gender Studies und Sprachanalyse am Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien der Humboldt-Universität zu Berlin. Cindy Sherman, die in ihren Selbstporträts in immer andere Rollen wechselt, ist eine der Fotografinnen, die von Anfang an die Zuschreibung „weiblich“ infrage stellte. Ihr Madonnenbildnis ist bei Olbricht zu sehen.

Diese Debatte denkt die Ausstellung also mit, fokussiert sich mit „Queensize“ allerdings auf den „existenziellen Part unseres Lebens“, wie Kuratorin und Filmemacherin Nicola Graef es nennt. Kurz: Im Bett werden wir geboren, im Bett haben wir die ersten sexuellen Erfahrungen, im Bett sterben wir. Drei Themenbereiche also, drei Räume werden bespielt. Ein einziges, winziges Männerbildnis gibt es, es hängt winzig und allein an einer großen, weißen Ausstellungswand. Auf Augenhöhe eines Kindes. Elisabeth Peyton malte ihren jungen „geschrumpften“ Vater, dessen Blick sich nun – quasi stellvertretend – auf all die Frauen richtet. Das ist ein hübscher Einfall, denn im Vater begegnet jedes Mädchen ihrem ersten Mann. Die Ausstellungsabschnitte werden von Kiki Smiths am Boden ausgelegter „Bloodline“ verbunden, dicke, tiefrote Tropfen aus Muranoglas. Das ist zwar ästhetisch schön anzusehen, aber dann doch zu plakativ, wenn es um weibliche Selbstdarstellung geht.

Ein Wand im Hauptsaal zeigt flächendeckend weibliche Posen, für Nicola Graef ist das wie eine Seite von Instagram: Das Private ist öffentlich. Daniella Rossell hat Ladies („Die Reichen und die Schönen“) der mexikanischen High Society fotografiert, wie Zuckerbarbies inszenieren sie sich zwischen ausgestopften Kamellen und Plastiktigern wie in goldenen Käfigen. Es ist unglaublich, wie sie sich preisgeben in ihrer Dekadenz. Als die Damen nach der Veröffentlichung merkten, dass sie statt Bewunderung lediglich Spott ernteten, erhielt die Fotografin Drohungen. Die Ehre des Familienclans musste wiederhergestellt werden. Angeblich, so Nicola Graef, soll sich Daniella Rossell mittlerweile ganz aus der Fotografie zurückgezogen haben. Diese Geschichte sagt viel aus über Frauenbilder und gesellschaftliche Milieus. Dawn Mellor hält mit ihren Ölgemälden wiederum Hollywood den Spiegel vor: Gesichter von Stars wie „Mia Farrow“ und „Julia Roberts“ sind zu blutigen Fratzen verzerrt und überschrieben.

Im hinteren Bereich, man könnte ihn auch Kriegsraum nennen, geht es um Verdrängtes, Tabus, letztlich um männliche Gewalt. Trotz Feminismus und Emanzipation landet die Frau immer wieder in der Opferrolle, sei es auf dem „Galgenfeld“ von Paloma Varga Weisz oder auf der „Totenbahre“ von Vanessa Beecroft. Der Horror geht weiter im Film „The Experiment (Greed)“ der Schwedin Nathalie Djurberg. Die animierten Knetgummifigürchen entlarven klerikale Hierarchien: Die nackten, deformierten Frauen werden von Geistlichen mit schrecklichen Glotzaugen benutzt und unter die Kutte gezwungen.

Me Collectors Room, Auguststr. 68. Di-So 12-18 Uhr. Bis 30. August.