Theater

Drama eines ungleichen Paares

Die Komödie am Kurfürstendamm setzt auf Valerie Niehaus und Stefan Jürgens

Wenn einem unverhofft der Ex vor die Füße stolpert, dann gibt es zwei übliche Reaktionen: Entweder man nimmt unverzüglich den Streit an exakt der Stelle wieder auf, an der man ihn damals vor dem Knallen der Wohnungstür abbrach. Oder man simuliert völliges Desinteresse und totale Normalität, was, zumindest im Fall von Rudy und Nora, in verlegenem Grinsen und gegenseitigen „Mir-geht’s-bestens“-Versicherungen gipfelt. Sie waren mal verheiratet, sind inzwischen geschieden und haben sich knapp vier Jahre nicht gesehen, bis sie unverhofft in einem Restaurant aufeinander treffen. Dass sie sich dabei alles andere als wohl fühlen, ist offensichtlich: Er drückt sich ganz nach hinten in seinen Stuhl, sie dreht ihm die Schulter zu, presst die Knie verkrampft aneinander.

War ja schließlich alles nicht so einfach damals. Aber, und das ist die Geschichte, die Norm Foster in seiner romantischen Komödie „Zwei wie wir“ erzählt, irgendwie ja doch auch schön. Als deutschsprachige Erstaufführung (übersetzt von Ursula Grützmacher-Tabori) zeigt die Komödie am Kurfürstendamm darin unter der Regie von Folke Braband die Rekapitulation einer Liebe in Rückblicken. Es ist ein Stück für zwei Personen und eine gemeinsame Vergangenheit. Die Kudamm-Bühnen bewiesen durchaus schon Händchen für TV-Star-Duette in romantischen Bühnenkonstellationen, erinnert sei an die Produktionen mit der knisternden Kombi aus Oliver Mommsen und Tanja Wedhorn. Dieses Mal in den Hauptrollen: Valerie Niehaus, ehemals „Verbotene Liebe“, inzwischen in zahlreichen Fernsehspielen, Dramen („Mogadischu“) und sogar Actionfilmen („Die Pilotin“) auf fast allen Sendern präsent und Stefan Jürgens, bekannt aus „RTL Samstag Nacht“, „Tatort“ und „SOKO Wien“.

Bei Jürgens ist der Bart ab, dafür hat die Niehaus die Haare schön. Üppig gelockt gibt sie die Nora als überspannte Kulturmanagerin im Businesskostüm, mit der Stefans Jürgens’ Rudy als Romantiker mit Proletencharme so seine liebe Not hat. Dass es bei diesem ungleichen Paar überhaupt jemals gefunkt hat, verwundert nur jene, die nicht an die sich anziehenden Gegensätzen glauben. Davon jedenfalls gibt’s reichlich, weshalb das Original denn auch „Wrong for Each Other“ heißt: Sie mag Jazz, er R&B, sie steht auf Kultur, er auf Baseball.

Auf der zweigeteilten Bühne, vorne das Restaurant der Jetztzeit, hinten die Kulissen der Vergangenheit, gewinnt, vom ersten Treffen im Blumenladen über die Hochzeitsnacht unterm Sternenhimmel nicht nur diese Liebe, sondern auch das Darstellerpaar zunehmend an Charme. Stefan Jürgens verfügt über das breitere verbale Intonationsrepertoire, Valerie Niehaus punktet vor allem mit ihrer Mimik, die hinter der Business-Lady-Attitüde Beziehungsängste als auch ironischen Biss durchscheinen lässt. Das alles ist hübsch anzusehen und einigermaßen unterhaltsam.

Komödie am Kurfürstendamm, Kurfürstendamm 206/209 .Tel. 88591188 Bis 1. März.