Comic

Der erste Beagle auf dem Mond

Mit Charles M. Schulz’ Tod sollte Schluss sein mit den „Peanuts“. Aber jetzt kehren sie zurück

Als wäre es ein Comicheft wie jedes andere, liegt es eines Tages bei den Zeitschriften im Laden. Auf dem Einband schwebt der Hund durchs Universum. Snoopy lebt, die Peanuts leben. Über dem Buchtitel „Auf zu den Sternen, Charlie Brown!“ steht Charles M. Schulz, der Name ihres Schöpfers, der am 12. Februar 2000 starb, seine Figuren mit ins Grab nahm und verfügen ließ, ihre Geschichten mit ihm ruhen zu lassen. Jedes Kissen und jede Tasse mit den Peanuts geht auf seine Zeichnungen zurück.

Nun geht es aber doch weiter. Wo ein – vor allem finanzieller – Wille ist, ist auch ein Weg und der führt in diesem Fall über die Charles M. Schulz Creative Associates. Das hundert Seiten schmale Bändchen zeichnete Vicki Scott. Sie ist künstlerische Leiterin der Nachlassverwalter.

Am 13. Februar 2000 war der letzte Comic in den Tageszeitungen Amerikas erschienen. 15 Jahre später arbeiten Computer irgendwo in Kalifornien am Comeback der Peanuts in 3-D im Kino. Da kann Schulz nur froh sein, dass er tot ist. Seine Bildgeschichten brauchten keinen Raum und keine visuelle Tiefe, wie sie auch keine Schatten brauchten. So ist auch dieser Comic einfach da, wahrscheinlich nur wegen des Films. Er soll sogar der Auftakt einer Serie sein. Snoopy, der Beagle, liegt in seiner Hütte und denkt: „Diese Sache ist groß …“

Wie immer hat er damit völlig recht. Der erste Band entführt die Knirpse einerseits in eine neue Dimension ihrer Geschichte, ihre Bilderrahmen brechen auf, als Snoopy mit seinem in Apostrophen sprechenden Gefährten Woodstock auf dem Mond landet. Andererseits trägt die Erzählung sie ganz zu sich selbst zurück. Am Ende seines Schaffens hatte Schulz die Strips nicht nur auf immer weniger Bilder reduziert, er ging auch immer gnädiger mit seinen Helden um.

Man weiß nicht mehr, ob es Schulz’ Altersmilde war oder die Niedlichkeit seiner Figuren, dass die Peanuts heute gern als Glückboten gesehen werden. Dabei ist die Welt, in der sie existieren, eine garstige. Für immer Grundschüler, sind sie sich selbst und ihren ungerechten Göttern, den Erwachsenen und anderen Monstren, überlassen. Das war die Idee, als Schulz die Peanuts 1950 in die Welt setzte, mit seinem kugelköpfigen Ich, dem guten, alten Charlie Brown.

Bei Vicki Scott ist die Verzweiflung wieder da. Zu ihrem Personal gehört eine Gestalt, die Schulz nach dem allerersten Comic verschwinden ließ, ein scheuer Junge namens Shermy. Ursprünglich dazu angestellt, Charlie Browns ewige Unterlegenheit augenfällig zu machen, verblasste er neben peanutstypischen Zweiflern wie Linus, der mit der Zeit immer beliebter wurde. Und auch die Katastrophen kehren wieder: Charlie Brown als Sisyphos des Futternapfs, die Angst des lebensklugen Linus vor dem Leben und der erste Beagle auf dem Mond, nachdem die Sonde Beagle 2 im Jahr 2003 schon auf dem Mars gelandet war.

Aber was ist das alles gegen gegen das Gemeinste, was den Peanuts widerfahren kann: Lucy van Pelt ist wieder Lucy, über die Schulz selbst einmal geschrieben hat: „Wenn man noch tiefer kratzte, fände man vielleicht heraus, dass sie noch schlimmer ist, als sie scheint.“ Ihr Haar ist tiefschwarz wie ihr Herz, wenn sie erklärt: „ Da liegt bei den Kindern von heute der Hase im Pfeffer begraben. Das Leben ist zu einfach für sie! Die Welt ist kalt und grausam, und es wird Zeit, dass sie abgehärtet werden! Zu meiner Zeit …“

Der zweite Band erscheint demnächst unter dem Titel „Auf nach Tokio, Charlie Brown!“ Das Leben eines Peanuts muss die Hölle sein.