Bühne

Im Zweifel für die Liebe

Elke Heidenreich schreibt ein Opernlibretto für Schloss Rheinsberg

„Die Oper muss den Schritt ins 21. Jahrhundert schaffen“, sagt Elke Heidenreich. Ihrer Meinung nach wird viel zu wenig dafür getan, dass die Oper zeitgemäß bleibt und vor allem auch junge Menschen anspricht. Nun ist Heidenreich, 71, nicht nur Literaturkritikerin, Kabarettistin, Moderatorin, sondern auch Opernlibrettistin. „Ich hätte lieber was mit Musik gemacht als mit Büchern“, hat sie einmal zugegeben. Im kommenden Sommer wird ihre Oper „Adriana“ mit Musik von Marc-Aurel Floros in Rheinsberg uraufgeführt.

Das Festival „Kammeroper Schloss Rheinsberg“ feiert 2015 sein 25-jähriges Jubiläum. Es ist zugleich ein Neubeginn. Der Gründer und langjährige Leiter Siegfried Matthus, selbst Komponist, hat das Sommerunternehmen an seinen Sohn Frank Matthus, der von Hause aus ein Theatermann ist, übergeben. Der neue Chef hat einige Veränderungen angekündigt, dazu gehört auch, dass Elke Heidenreich eine größere Rolle im Rheinsberger Musikbetrieb spielen soll.

„Es ist an der Zeit, etwas Neues zu erfinden“, sagt Frank Matthus. Und so setzt er künftig auf Uraufführungen. Die erste wird die zeitgenössische Opernproduktion von „Adriana“ am 31. Juli 2015 sein. Die Handlung der Oper ist schnell erzählt. Es geht um die Liebe. Die junge Adriana steht zwischen den beiden Brüdern Leander und Julian. Der eine ist der Verdiener, der ihr ein gesichertes Jetset-Leben bieten kann, der andere ein lebensuntüchtiger Romantiker, der ihre Leidenschaften und Träume versteht. Adriana muss sich für einen der beiden Verehrer entscheiden und setzt sich dabei mit den Erwartungen an die Liebe auseinander. Das ist natürlich ein beliebtes Thema in der Literatur, wobei Elke Heidenreich diesmal vor allem auf die Musik schwört. „Die Opernmusik soll wieder die Menschen erreichen“, sagt Heidenreich.

Die Komposition, die auf große melodische Bögen und tonale Strukturen setzt, stammt vom 28 Jahre jüngeren Marc-Aurel Floros. Der Hamburger Pianist und Komponist ist seit Jahren ihr Lebensgefährte. Über die Frage – wie viel Adriana in Elke Heidenreich selbst stecke? – kann sie nur lächeln. „Sie kennt das Gefühl, etwas zu haben, und trotzdem nach etwas anderem zu schauen“. Im Leben gäbe es verschiedene Formen der Liebe, die immer auch sinnvoll sein können. „Aber Adriana weiß das noch nicht“, sagt Elke Heidenreich.

Im Zweifel für die Liebe. Festivalchef Frank Matthus selbst inszeniert im Heckentheater eine der großen romantischen Frauenfiguren von Giuseppe Verdi: „La Traviata“ hat am 14. August Premiere. Hinter den Kulissen des vom 28. Juni bis 22. August 2015 stattfindenden Festival ist es inzwischen auch zu einer juristischen Neuordnung gekommen. Die Rheinsberger Kammeroper und die Musikakademie wurden fusioniert. Das Land Brandenburg ist mit 75 Prozent der Mehrheitseigner, und das Festival erhält eine Förderung von 1,36 Millionen Euro aus der Landeskasse.

Der alleinige Geschäftsführer René Serge Mund betont, dass sich die beiden in der Schlossanlage ansässigen Institutionen eigenständig weiterentwickeln sollen. Er schließt aber auch gemeinsame Projekte nicht aus. Das Rheinsberger Kulturangebot sei schließlich ein wichtiger Bestandteil der Tourismusentwicklung im Land Brandenburg. Die Kammeroper Schloss Rheinsberg sieht sich weiterhin auch der Förderung junger Sänger verpflichtet, wie Frank Matthus betont. So wird es wieder einen internationalen Gesangswettbewerb mit rund 400 Teilnehmern geben.