Interview

Eine Art Paartherapie

Nora Tschirner und Christian Ulmen über ihren zweiten Fall als „Tatort“-Kommissare und ihre Ermittlungen im FKK-Club

Ein Gespräch mit Nora Tschirner und Christian Ulmen kann kaum ernsthaft geführt werden. Dafür frotzeln die beiden, die seit über zehn Jahren immer wieder zusammen spielen, viel zu gern herum. Und dafür sind sie ja auch für den Weimarer „Tatort“ besetzt worden. Am 1. Weihnachtstag 2013 wurde ihr erster Fall ausgestrahlt. Den zweiten Fall gibt es wieder an einem Feiertag: an Neujahr. Und auch ein dritter ist schon im Plan. Wir haben die beiden Schauspieler im Schöneberger Café Einstein gesprochen.

Berliner Morgenpost:

Frau Tschirner, Herr Ulmen, wir sitzen hier so hübsch zu dritt wie bei einer klassischen Paartherapie.

Christian Ulmen:

Das ist es ja auch. Jeder Pressetag ist für uns Paartherapie.

Nora Tschirner:

Nur deshalb sagen wir ja auch immer zu. Weil wir merken, dass wir damit privat viel weiter kommen. In diesen Tagen klärt sich immer so viel.

Ihr erster „Tatort“-Fall lief vergangenes Jahr an Weihnachten. Ihr zweiter Fall kommt nun zu Neujahr. Sind Sie so etwas wie die Feiertagsveredler des Öffentlich-Rechtlichen?

Ullmen:

Man muss Nora ja nur angucken, da sieht man ja schon, dass sie sowohl ein Weihnachts- als auch ein Neujahrsengel ist. Schon rein optisch würde man sich Nora ja zu Hause als Zierfigurhinstellen. Nicht unbedingt an Buß- und Bettag oder Fronleichnam. Aber doch an den schönen Familienfesten. Und so ist es mit unseren „Tatorten“. Wir laufen an Weihnachten und Neujahr, wir würden nie an Fronleichnam laufen.

Tschirner:

Der Neujahrsengel schweigt dazu und genießt. Nur so viel: So einen Weihnachtsengel kriegst du nicht aus dir raus. Auch nicht als Neujahrsengel. Das ist wie beim Bundeskanzler a.D.: Weihnachtsengel a.D.

Dann muss ich jetzt natürlich die klassischen Neujahrsfragen stellen. Haben Sie gute Vorsätze fürs neue Jahr?

Tschirner:

Niemals. So was muss man gleich erledigen. Mit solch Vorhaben darf man sich doch nicht gleich das frische neue Jahr belasten. Kennst du irgendwen, der das macht?

Ulmen:

Klar, gibt ganz viele. Ich nicht. Ich mach’ das vorher. Jahreswechsel ist für mich immer nur Steuererklärung.

Haben Sie ein klassisches Rezept gegen den Neujahrskater?

Ulmen:

Unser „Tatort“. Der massiert das Gehirn noch ein bisschen. So dass man danach wieder nüchtern ist.

Tschirner:

Ist nur schade, dass Neujahr ein Donnerstag ist. Weihnachten 2013 war ja auch ein Donnerstag. Wir wollen ja endlich auch mal an einem Sonntag im „Tatort“ sein. Vielleicht ist das ein guter Vorsatz fürs nächste Jahr.

Der erste Tatort hatte über acht Millionen Zuschauer...

Ulmen:

Nur? Ich dachte, es wären neun.

Für Weihnachten und „Shrek“ als Konkurrenz immerhin ein starkes Ergebnis. Steht man da unter Erwartungsdruck?

Tschirner:

Ich nicht. Ich finde, wir haben da etwas gesetzt, worauf man gut aufbauen kann. Den Druck hatte ich eigentlich eher vor dem ersten „Tatort“. Als wir noch gar nichts gedreht hatten, als wir noch nicht mal die ersten Bücher bekommen hatten, mussten wir trotzdem schon ganz viele Interviews geben. Ich habe noch nie vorher so verfrüht über ungelegte Eier sprechen müssen. Das war viel schlimmer.

Ulmen:

Ich hab’ nie Druck beim Drehen. Ich sollte mir vielleicht mal welchen machen. Die Arbeit mit Nora, mit dem Team, das war sehrentspannt.

Ihr zweiter Fall führt auch in einen FKK-Club. Haben die Autoren da auch spekuliert, gehofft, Sie könnten sich da so halbbekleidet zeigen wie Thorsten Merten?

Ulmen:

Dafür sind die Autoren, glaube ich, zu heterosexuell, als dass die sich wünschen würden, dass ich da nackt rum laufe.

Tschirner:

Wenn sie denken würden, das wäre ein Geschenk für uns, dann würden sie uns das reinschreiben.

Am Anfang wird auch das Baby im Baby-Bag zu Ermittlungen in einem zwielichtigen Tätowierladen mitgenommen. Schreien jetzt alle Mütter der Fernsehnation auf?

Ulmen:

Hoffentlich gibt es Menschen, die sagen, dass man das nicht tut. Denn das tut man nicht. Das war riskant, und das darf man zu Hause auch nicht nachmachen. Wir waren Profis als Kommissare, wir wussten, was wir taten.

Tschirner:

Und wir hatten ein Stuntbaby, das hatte von den elf Tagen, die es am Leben war, schon zehn gedreht.

Haben Sie eigentlich Einfluss auf die Figuren?

Ulmen:

Ja.

Tschirner:

Aber nur auf die Rolle des anderen. Ich schreibe ihm ab und an ein paar Gimmicks rein.

Ulmen:

In der Theorie ist das so. In der Praxis ist es so, dass einzig Nora Einfluss auf alles nimmt.

Sie spielen seit zehn Jahren immer wieder zusammen. Ist die Chemie immer sofort da, ist das wie ein Fingerschnippen?

Tschirner:

Wir spielen oft, wie es uns gerade einfällt.

Ulmen:

Also ich mache, was Nora gerade einfällt. Und das habe ich inzwischen akzeptiert. Weil ich weiß, dass sie es nicht böse meint.

Tschirner:

Wir haben uns gut eingegroovt mit den Autoren, so dass die Übergänge fließend sind. Die schreiben, wie uns der Schnabel gewachsen ist, und wir reden, wie die denken. Das kann man im Nachhinein gar nicht mehr auseinanderklamüsern.

Weimar ist die Stadt von Schiller und Goethe. Wird Weimar auch die Stadt von Tschirner und Ulmen?

Tschirner:

Ist es schon. Das müssen wir in aller Bescheidenheit sagen.

Ullmen:

Das merkt man daran, dass die Leute, immer wenn wir dahin kommen, egal ob im Supermarkt oder anderswo, Spalier bilden.

Nein, im Ernst: Wie wird man denn in der Stadt, in der man ermittelt, angenommen?

Tschirner:

Christian kann dazu nichts sagen. Denn er geht ja nie raus. Wenn er nicht dreht, schließt er sich im Hotel ein. Ich hingegen, Volksschauspielerin, nehme nach Drehschluss das Rad und fahre die Gegend ab...

Ulmen:

Hattest du da nicht diesen Vorfall, als dein Hund Stress gemacht hat? Aber da wurden die Leute ganz lieb, als sie dich als Kommissarin erkannt haben.

Tschirner:

Weil sie dachten, es sei ein Polizeihund! (beide lachen) Wenn man erkannt wird, wird man sehr freundlich behandelt. Ich fühl mich da schon ganz zu Haus. Das wird auch noch zunehmen. Wahrscheinlich war bald auch jeder in Weimar schon mal Komparse bei uns.

Wir entnehmen daraus auch schon die Information: Sie werden weitermachen. Anfangs sprach man ja nur von einem, dann vielleicht noch von einem zweiten „Tatort“.

Tschirner:

Wir hangeln uns so weiter. Und haben alle Lust weiterzumachen.

Ulmen:

So lange Nora Spaß hat...

Tschirner:

... müssen alle mitmachen.

Ulmen:

... und solange wir Spaß an Nora haben...

Tschirner:

Das kann aber auch mal mitten in der Folge abbrechen.

Wird der dritte „Tatort“ wieder ein besonderer, ein Feiertags-„Tatort“?

Tschirner:

Wir werden Sonntägler. Ab dem dritten Mal gehören wir zu den Normalen, sind wir Teil der Gruppe. „The real thing“. Ich weiß nur noch nicht, ob das ein Upgrade oder ein Downgrade ist.

Ulmen:

Echt? Woher weißt du das?

Tschirner:

Na, weil ich mit den Leuten, mit denen wir arbeiten, auch mal rede. Und das nicht nur, während die Kamera läuft! Weil ich mich kümmere. Sonntägler, Chrissel: Dann hat man keine Ausrede mehr für acht Millionen.

„Tatort: Der irre Iwan“. ARD, 1. Januar 2015, 20.15 Uhr.