Inszenierung

Wo bleibt das Pferd?

Die Komische Oper zeigt Emmerich Kálmáns „Arizona Lady“ als bunte Operetten-Parodie

Eine Operette namens „Arizona Lady“ wird in der Komischen Oper konzertant aufgeführt. Die Titelrolle ist ein Pferd. Es handelt sich eher um eine störrische Diva, die starke männliche Zuwendung braucht. Das Pferd ist allerdings in den knapp zwei Stunden nicht einmal zu sehen. Dafür kommt Intendant Barrie Kosky zu Beginn auf die Bühne und erklärt allen im Publikum, die „ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben“, warum es toll ist, was die Komische Oper gerade macht. Die Wild-West-Operette von Emmerich Kálmán ist erstmals in Berlin zu erleben. Der 1938 von den Nazis aus Österreich vertriebene Komponist hat den Stoff in seiner Exilheimat USA aufgegriffen.

Kálmán starb 1953 und hat seine musikalisch zutiefst europäische Operette selber nie aufgeführt gesehen. Kosky hat sie sich mit seinen verkleidungssüchtigen Künstlern am Haus vorgenommen. Im Publikum wird Kálmáns Tochter Ivonne begrüßt. Was Kosky im Besetzungszettel verschwiegen hat: Als Regisseur hat er deutlich mit Hand angelegt, das Ganze ist als heitere Show inszeniert. Orchester und Chor des Hauses sitzen zwar mit auf der Bühne, davor aber agieren die Sängersolisten in ungeahnter Weise. Man spielt gekonnt mit der wieder mal verworrenen Operettenhandlung. Es ist ein Running Gag, dass Cowboy Roy Dexter, der eigentlich Colorado Kid heißt, und hinter dem alle den Banditen Burt Morton vermuten, ständig beim Plappern die Namen vergisst. Lona Farrell, die taffe Chefin der Sunshine-Ranch springt ihm immer bei. Serkan Kaya und Katharine Mehrling sind das Traumpaar dieser Operette. Eines ohne Kitschfaktor.

Serkan Kaya, den mancher als Lindenberg aus dem Musical „Hinterm Horizont“ kennt, will diesmal lieber ein Bushido aus Colorado-Kreuzberg sein. Die bezaubernde Mehrling ist mehr die Berliner Wild-West-Göre. Um ihre Stimme zu entfalten und bejubelt zu werden, musste Kosky die „Marinka“-Nummer „Sigh by Night“ aus einer anderen Kálmán-Operette in den zweiten Akt einmontieren. Und Gastdirigent Kai Tietje spielt plötzlich auch noch Akkordeon und Mundharmonika am Pult. Barrie Kosky ist es wieder einmal gelungen, dem Berliner Publikum eine Operette unterzujubeln. Bravo!

Komische Oper, Behrenstr. 55-57, Mitte. 30.12. um 19.30 Uhr