Brandenburg

Studio Babelsberg zurück in der Krise

Weniger Filmförderung, weniger Produktionen: Für 2016 rechnet das Unternehmen mit Verlusten in Millionenhöhe

Eigentlich war der gestrige Freitag ein guter Tag für den Filmstandort Deutschland. Die Länder Brandenburg und Baden-Württemberg hatten einen Plenarantrag gestellt, den Deutschen Filmförderfonds (DFFF) für das Haushaltsjahr 2016 wieder auf 60 Millionen Euro zu erhöhen, und hatten dafür im Bundesrat eine Mehrheit erhalten.

Das ist eine gute Nachricht, wurde der DFFF in diesem Jahr doch gleich zweimal innerhalb von nur drei Monaten gesenkt: erst von 70 auf 60 Millionen für 2014 und dann noch einmal um weitere zehn auf 50 Millionen für 2015. „Die Politik hat endlich erkannt“, ließ Christoph Fisser, der Vorstand der Studio Babelsberg, wissen, „dass es insbesondere durch den DFFF gelungen ist, in Deutschland in den vergangenen Jahren einen international anerkannten Filmproduktionsstandort aufzubauen.“

Drei Projekte weggebrochen

Am selben Freitag aber war im „Handelsblatt“ zu lesen, dass das Filmstudio Babelsberg für das laufende Jahr rote Zahlen schreibt. Carl Woebcken, der Vorstandsvorsitzende der Filmstudios, wurde darin zitiert, er rechne „mit einem Verlust von 2,5 Millionen Euro“. Im Vorjahr 2013 hatte das Studio noch einen Gewinn von 843.000 Euro geschrieben – allerdings keine Dividende gezahlt. Die letzte Ausschüttung hatte es vor sechs Jahren gegeben. Und für 2016 will das Studio sich sogar von der Börse zurückziehen. „Wir hoffen“, sagt Carl Woebcken in klaren Worten, „dass wir nächstes Jahr überleben.“

Große internationale Produktionen wie George Clooneys „Monuments Men“ oder Wes Andersons „Grand Budapest Hotel“ sind zwar erst dieses Jahr gestartet, aber schon 2013 gedreht worden. Im laufenden Jahr gab es ebenfalls große internationale Produktionen wie der jüngste „Tribute von Panem“-Film „Mockingjay 1“ und nicht zuletzt Steven Spielbergs „St. James Palace“. Aber die sind eben nicht im Studio gedreht worden, sondern „on location“. Dadurch fällt ein Großteil der Einnahmen für das Studio weg.

Und dann sind dem Studio, das bekräftigt Christoph Fisser auf Nachfrage der Berliner Morgenpost noch einmal mit Nachdruck, gleich drei Projekte weggebrochen. Eines könnte möglicherweise doch nach Potsdam zurückkommen, zwei aber sind definitiv verloren. Ein Film, für den man eigentlich schon handelseinig gewesen sei, ist dann doch nach Großbritannien abgewandert. Dort fließen Filmfördergelder weit generöser als in Deutschland, dort gibt es nach oben auch keine Fördergrenze. Das andere Projekt war ein „sehr großes, sehr studiolastiges Science-Fiction-Projekt“, für das sich Björn Böhning (SPD), der Chef der Senatskanzlei, maßgeblich eingesetzt hatte und für das auch schon ein Set eingerichtet worden war.

Aber noch am Tag, als die US-amerikanischen Branchenblätter „Variety“ und „Hollywood Reporter“ von der zweiten DFFF-Kürzung in Deutschland berichteten, sprang das amerikanische Studio ab. Wer garantiere denn, dass es bei euch nicht noch eine dritte Kürzung geben werde, wurde Fisser gefragt. Er kann die Unsicherheit aufseiten der Partner auch verstehen. Aber der Schaden ist groß, weil man für das Science-Fiction-Projekt (Fisser will keinen Titel nennen) Ateliers frei gehalten hat und anderen Interessenten absagen musste.

Die Unsicherheit im Studio ist groß. Auf der Berlinale hatte die damals frisch gekürte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) noch ungefragt verkündet, der DFFF bleibe langfristig auf dem Niveau von 70 Millionen. Auf diese Worte hatten die Studio-Herren gebaut. Und investierten in eine neue „Berliner Straße“, nachdem die alte nach 16 Jahren abgerissen worden war, und kauften eigens ein neues Grundstück an. Investitionsvolumen: zwischen sieben und acht Millionen Euro. Der Grundstein wurde im August mit Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) gelegt; seither ist dort nichts mehr gemacht worden. Die Babelsberg-Chefs überlegen, ob sie das Grundstück nicht wieder veräußern müssen, solange ausländische Interessenten verschreckt werden.

Es ist schon merkwürdig, wie Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sich darin gefällt, sich auf der wegen Dreharbeiten gesperrten Glienicker Brücke mit Mister Spielberg und Mister Hanks zu treffen, und ihre Regierung gleichzeitig alles dafür tut, internationale Produktionen diesen Ausmaßes abzuschrecken. Gabriel immerhin, wohlgemerkt nicht der zuständige Minister für die Filmförderung, will nun zehn Millionen Euro aus der Mittelstandsförderung flüssig machen.

Dass nun auch der Bundesrat für die DFFF-Erhöhung 2016 gestimmt hat, sei ein gutes Zeichen, „das uns zumindest den Jahreswechsel leichter macht“, so Fisser. „Es zeigt immerhin, dass die Politik zumindest noch darüber diskutiert.“ Hilferufe vom Studio, von der Deutschen Filmakademie und der Allianz der Deutschen Film- und Fernsehproduzenten gegen die DFFF-Senkung waren zuvor unerhört geblieben, das habe das Studio „nahe an die Depression“ gebracht.

Ein Beschluss des Bundesrates ist gleichwohl nicht bindend für den Bundestag. Das weiß auch Fisser. Und auch wenn er nicht ganz so schwarz malen will wie sein Partner Woebcken, so ganz mag ihm die Zuversicht auch nicht gelingen: „Wir haben, was Politik angeht, viel dazulernen müssen in diesem Jahr.“