Kunst

Armin Mueller-Stahl: „Malen bedeutet für mich Freiheit“

Der Schauspieler stellt in Berlin seinen neuen Kunstband vor

Er habe, erzählt Armin Mueller-Stahl, ein großes Alterswerk. Sehr viele Blätter stapeln sich in seinem Atelier, die Schränke in seinem Haus in Sierksdorf an der Ostsee sind voll damit. Jemand fragt ihn, ob er nicht einmal alles ordnen wolle. „Nicht mein Stil“, sagt der Schauspieler und schiebt gleich nach, er präferiere „das geordnete Chaos“.

Und da sitzt er nun in den Räumlichkeiten von Hatje Cantz gemütlich bei Kaffee, Kuchen und Adventsschmuck inmitten eines mächtigen Stapels seines neuen Kunstkataloges. Der wiegt fast so schwer wie ein Coffee Table Book, und man kann genauso gut darin blättern und nicht aufhören darüber zu staunen, aus welchem vielfältigen, künstlerischen Fundus der Schauspieler in seinen Bilderwelten schöpft. Den Schauspieler, den Musiker Mueller-Stahl gibt es schon lange, den Maler und Zeichner wohl noch länger, nur das wissen nicht sehr viele.

Er malt täglich, überall, wo er geht und steht. Wenn ihm der Sinn danach ist, dann zeichnet er auf dem letzten Pappstückchen, das irgendwo übrig geblieben ist. Ganz früher, da reichten ihm Bierdeckel. Er zeichnet „schnell und langsam“ erzählt er, oft auch parallel: abstrakt, figürlich, skizzenhaft, knallrot, knallgelb, aber ebenso rabenschwarz, „und immer mit Vergnügen“. Über die Jahrzehnte entstanden so tausende Blätter, der Katalog versammelt davon eine Auswahl nach Themen. Erstaunlich leichthändig ist vieles, Porträts wie Szenen, zu Papier gebracht und sehr fließend im Rhythmus, fast wie leise Musik.

Er will keine Filme mehr drehen. Natürlich kriegt er weiterhin Rollenangebote, mehr will er dazu nicht sagen, nur: dass ihm die Malerei im Moment einfach mehr gibt. Schließlich habe er viel gearbeitet in den letzten Jahrzehnten, „das reicht für zwei Schauspielerleben“. In einigen Tagen wird er 84 Jahre, und auf seine Weise meint er damit, dass das Bildnerische für ihn eine neugewonnene Freiheit bedeutet. Beim Filmen, da muss sich selbst der Star in das enge Korsett der Produktion einfügen. „Beim Malen kann ich mehr probieren.“

Wer genau hinschaut, der sieht doch, dass seine Blätter sehr viel mit seiner Arbeit, seinen Rollen, seinen Charakterdarstellungen zu tun haben. Somit ist der Katalog auch ein farbstarkes Lehrstück über Schauspieler, Rollen und wechselnde Identitäten: Hamlet, Richard, Ophelia und und und. Dabei gibt es auch die „Drehbuchübermalungen“, auf den abgedrehten Seiten der Drehbücher seiner Filmproduktionen hielt er die „Dinge fest, die mich bedrückten und beschäftigten“. Als visuelles Tagebuch möchte Armin Mueller-Stahl das dann doch nicht einordnen, aber schon „ein Stück weit therapeutisch“.