Fernsehen

Hurra, hurra, die Schule explodiert

Beim Brandenburger „Polizeiruf“ lagert eine Rohrbombe im Direktorenzimmer

Beginnen wir mit einem kurzen Ausflug in die Zeitgeschichte. Am 29. Januar 1979, einem Montag, erschoss die 16-jährige Brenda Ann Spencer an ihrer Schule in San Diego den Schulleiter und den Hausmeister. Als ein Journalist sie später nach ihren Motiven fragte, sagte sie, sie möge keine Montage. Bob Geldof und seine „Boomtown Rats“ inspirierte der Vorfall zu dem Song „I Don’t Like Mondays“. Und hier kommt der Brandenburger „Polizeiruf“ ins Spiel.

Eine überforderte Referendarin steht in einem Klassenzimmer. Mathematik, Kosinussatz. Ein Schüler steht grübelnd vor der Tafel, der Rest macht Theater: redet, telefoniert, zeigt sich betont desinteressiert. Es herrschen anarchische Zustände. Die Rektorin kommt herein und sorgt mit ihrer strengen Präsenz für vorübergehende Ruhe. Dazu hören wir die Klänge aus „I Don’t Like Mondays“: „The silicon chip inside her head/ Gets switched to overload.“

Die Warnsignale sind also klar, es wird etwas Schlimmes geschehen an dieser brandenburgischen Schule. Ganz so katastrophal wie an der Grover Cleveland Elementary School wird es freilich nicht kommen. Aber es ist immerhin eine Rohrbombe, die im Büro der Direktorin detoniert. Sie ist freilich nicht im Raum, als es passiert, wohl aber die besagte Referendarin. Sie wird schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Es ist also ein Kriminalfall ohne Tote, in dem Kriminalhauptkommissarin Olga Lenski (Maria Simon) und Polizeihauptmeister Horst Krause (Horst Krause) ermitteln. Als Verdächtige kommen einige in Frage: Die Abschlussprüfungen der zehnten Klassen stehen bevor, und die beiden Schüler Tobias und Benn müssen um ihren Abschluss fürchten. Doch auch der Chemielehrer gibt eine recht dubiose Figur ab – und ist er als Fachmann für Substanzen und Reaktionen nicht sowieso prädestiniert für den Bombenbau? Welche Rolle spielt der Hausmeister? Lenski und Krause, dessen Lederjacke sich stets straff um seinen stattlichen Bauch spannt, finden heraus, dass die Bombe mit einem Zeitzünder versehen war. Was hat das zu bedeuten?

Das ist leider egal. Denn dieser „Polizeiruf“ ist in seiner Figurenzeichnung, in seinem Plot, sogar in seiner Musikauswahl derart misslungen, dass der Zuschauer bereits nach einer halben Stunde die Aufmerksamkeit herunterdimmt. Die schüchterne Referendarin, die strenge Direktorin: Abziehbilder. Das psychologische Verhältnis der Kollegen untereinander: unglaubwürdig. Und dann noch die Sprache der Schüler: Wenn Heranwachsende in Brandenburg jemals so gesprochen haben, dann nur gegen Honorar und weil ein Drehbuchautor das so wollte. Das alles ist schade, weil der etwas provinzielle, aber auch in Brandenburg wurzelnde Ermittler Krause und die zugezogene Olga Lenski ein gutes Gespann ergeben. Diesen Krimi aber können die beiden nicht retten.

Polizeiruf: Hexenjagd. ARD, 20.15 Uhr.