Sachbuch

Wie Künstler den Holocaust verarbeiteten

Der Maler Gerhard Richter hat es einmal auf den Punkt gebracht: „Fotos gelten als wahr und Bilder als künstlich.“ Vor allem durch Fotos und Filme ist die Verfolgung und Vernichtung der Juden durch die Nazis der Nachwelt überliefert. Dabei geht es um eine nicht zu verleugnende Wahrheit. Jenseits des Dokumentarischen gab es immer auch die künstlerische Aufarbeitung. Kathrin Hoffmann-Curtius hat sich in ihrem Buch „Bilder zum Judenmord“ auf Spurensuche ins Nachkriegsdeutschland begeben.

Es ist eine kommentierte Sichtung der Malerei und Zeichenkunst in Deutschland vom Kriegsende bis hin zu den Auschwitz-Prozessen, die in den 60er-Jahren begannen. Es sind jene zwei Jahrzehnte, als man im Westen versuchte, die Vergangenheit auch mit der abstrakten Kunst abzustreifen, und im Osten den sozialistischen Realismus mit einem neuen Menschentypus verordnete.

Kathrin Hoffmann-Curtius hat sich 160 Arbeiten von 42 Künstlern vorgenommen. Es sind Künstler wie Horst Stempel und Peter Edel, über Leo Haas und Edgar Jené bis hin zu Willi Sitte und Wolf Vostell. Das Buch ist eine ehrenvolle Arbeit, auch, weil es viele der albtraumartigen Lagerbilder in ihrer künstlerischen Aufarbeitung erfahrbar macht. Beiläufig erinnert die Autorin an weitere Opfergruppen. Die Verfolgung der Sinti und Roma war bei Otto Pankok ein Thema. Es gibt spätere Bilder über die Leiden der Zeugen Jehovas, und die Ermordung von Behinderten fand zumindest bei Gerhard Richter eine künstlerische Erwähnung.

Kathrin Hoffmann-Curtius: Bilder zum Judenmord. Eine kommentierte Sichtung der Malerei und Zeichenkunst in Deutschland von 1945 bis zum Auschwitz-Prozess. Jonas Verlag, 25 Euro