Kinderlyrik

Freude am Reim: „Das Gnu im linken Fußballschuh“

Dieser Band ist ein Schlaraffenland. Da, wo man ihn aufschlägt, will man gleich bleiben und sich mit Reimen den Bauch vollschlagen. Das Schöne ist, dass man sich an Gedichten kaum überfressen kann, weil man einfach mit der Zeit selbst anfängt zu dichten und zu reimen und zu keimen. „Kakaraka! Ich bin der Hahn,/ der eine fremde Sprache kann.“ Und Lyrisch ist eben die erste und schönste Fremdsprache auf der Welt, und die einzige, die man sofort verstehen kann. „Krawau! Krawau! Krawau! So bellt/ der kleinste Krähenhund der Welt.“

Georg Bydlinski wurde 1956 in Graz geboren, seine ersten Gedichtbände, für Erwachsene und für Kinder, erschienen Anfang der 80er-Jahre. Das war die Zeit, als Lyrik (für Erwachsene) zum letzten Mal für richtige Verkaufserfolge sorgte, mit den Bänden Erich Frieds, später dann auch mit Ulla Hahn oder Kristiane Allert- Wybranietz. Robert Gernhardt wurde gerade erst so richtig entdeckt. Seither aber hat sich die Gegenwartslyrik immer weiter von den Lesern entfernt. Das schlägt natürlich auch bis in die Kinderzimmer durch.

Deswegen ist die schöne Reihe der „Gedichte für neugierige Kinder“ im Boje Verlag so unglaublich wichtig. „Das Gnu im linken Fußballschuh“ enthält, von Susanne Straßer wunderbar dreifarbig (schwarz-weiß-grasgrün) illustriert, eine Auswahl von Bydlinskis schönsten Kindergedichten. So ausgelassen und albern sie auch sind, machen sie zugleich mit poetischen Grundprinzipien jenseits von Reim und Rhythmus vertraut. Die Freude am gelungenen Reim ist ein unverzichtbarer Rest Kindlichkeit.

Georg Bydlinski: Das Gnu im linken Fußballschuh. Gedichte für neugierige Kinder. Illustriert von Susanne Straßer. Boje, Köln. 64 S., 9,99 Euro. Ab 6 J.