Personalien

Angela Merkels geheime Mission

Londoner Museumschef Neil MacGregor für Leitung des Humboldt-Forums im Gespräch

In London meldet die „Sunday Times“, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel in einer „secret mission“ versucht hat, Neil MacGregor für das Amt des Intendanten im Humboldt-Forum zu gewinnen. Man fühlt sich an der Themse offenbar geehrt, dass Englands „bedeutendster Museumsboss“ das „wichtigste Kulturprojekt Deutschlands“ führen soll. MacGregor leitet seit 2002 das British Museum, das rund acht Millionen Objekte zur Kulturgeschichte der Menschheit versammelt.

Prominente Namen gibt es einige, die genannt werden, wenn es um die künftige Intendanz des Humboldt-Forums geht. Die Suche ist bei der Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) auf höchster Ebene angesiedelt. Sie führe, sagte sie erst kürzlich wieder, national und international Gespräche. Gerade erst im Oktober, da bereitete MacGregor den Deutschen eine Freude mit der furiosen Ausstellung „Germany – Memories of a Nation“, eine Art Hürdenlauf light durch deutsche Geschichte. Monika Grütters reiste zur Vernissage an die Themse. Doch im Bundeskanzleramt wollte man gestern die Personalie des Briten nicht bestätigen, allerdings, so heißt es, sei der Name in Bezug zum Humboldt-Forum nicht „ganz sachfremd“. Bekanntlich werden Vertragsabschlüsse erst öffentlich, wenn alle Punkte juristisch geklärt sind.

In Berlin gilt MacGregor jedenfalls als idealtypisch für die Position. „Der „absolut richtige Mann“, heißt es überall, wo man fragt. MacGregor ist ein Museumsmann mit höchster Expertise, ist mit der Thematik des Humboldt-Forums vertraut, kennt sich in Berlin bestens aus. Mit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz steht er im Gespräch. Er war es auch, der sich in der Diskussion um die Rochade der Gemäldegalerie auf die Museumsinsel einschaltete. Schon zu Zeiten von Kulturstaatsminister Bernd Neumann soll er im Bundeskanzleramt zu Beratungsgesprächen gewesen sein. Wie auch immer, das ganze Verfahren der Personalie zeigt, wie hoch die Fallhöhe ist für diesen Job, der weit mehr ist, als ein Museum zu betreuen.

Allerdings ist MacGregor keine 45 Jahre, sondern 68 Jahre. Seine Zeit am British Museum ist absehbar, somit wäre die Berliner Intendanz für ihn die Krönung seiner Karriere.

Im Humboldt-Forum, das nicht weniger sein will als ein Welt-Museum, das sich neu erfindet, hier könnte er, der Brite, noch einmal zeigen, wie groß der Kosmos der Kulturen ist und wie man das Haus ausstellungstechnisch und thematisch aufstellt. Die Ansprüche an dieses Projekt sind immens, und MacGregor ist definitiv jemand, der sich behaupten kann und Position bezieht. Schaut man sich Bloggs an, so sieht man, wie fasziniert gerade junge Leute über die Art der lebendigen Wissensvermittlung im British Museums sind. Er hat in zwei Fernsehserien der BBC gezeigt, wie populär Kunst sein kann. Ein Londoner Museumschef sagt über ihn, er sei einer „der klügsten, geschicktesten und intellektuell aufgeschlossensten Kollegen, begabt mit der seltenen Fähigkeit, sich mit Menschen unterschiedlichster Herkunft zu verständigen“.

Übrigens spricht Neil MacGregor fließend Deutsch, er hat die Sprache, neben Französisch, in Oxford studiert, Jura und Kunstgeschichte noch dazu. Die Sympathie fürs Deutsche liegt in seiner Familie: MacGregors Großvater besuchte Deutschland geschäftlich, die Großeltern hatten deutsche Freunde, seine Großmutter sprach auch Deutsch. Später kam MacGregor als Austauschschüler nach Hamburg. Er kennt die deutsche Mentalität. Und eins ist sicher, Neil MacGregor mag Berlin.