Stadtplanung

Klaus Wowereit setzt weiter auf neue Landesbibliothek

Kostenexplosion bei Staatsoper führt nicht zum Umdenken

Berlins scheidender Regierungschef Klaus Wowereit (SPD) setzt weiter auf ein neues Domizil für die Zentral- und Landesbibliothek (ZLB). „Natürlich kann Berlin das stemmen. Ich bin sehr optimistisch, dass die Bibliothek einen neuen Standort bekommt, denn der ist notwendig“, sagte der SPD-Politiker in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Erst am Mittwoch war bekannt geworden, dass Berlin für die Sanierung der Staatsoper insgesamt fast 150 Millionen Euro mehr aufbringen muss als ursprünglich geplant. Das blockiere nicht das Projekt Bibliothek, sagte Wowereit. „Da muss man die Prioritäten abwägen und das neu im Haushaltsplan verankern.“ Der Neubau war bisher auf 270 Millionen Euro veranschlagt. Die ZLB hat nach eigenen Angaben 1,5 Millionen Nutzer im Jahr und ist damit die meistbesuchte Kultureinrichtung der Stadt.

Standort umstritten

Erneut bedauerte Wowereit, dass der ursprünglich geplante Standort für einen Neubau am Tempelhofer Feld durch einen Volksentscheid im Frühjahr des Jahres klar abgelehnt wurde. „Ich hätte dieses Projekt gern noch selbst unumkehrbar auf den Weg gebracht“, sagte Wowereit. „Aber ich bin froh, dass es jetzt bei allen Fraktionen das Interesse gibt, möglichst rasch neue Pläne zu erarbeiten.“

Der künftige Standort ist allerdings selbst innerhalb der SPD umstritten. Vorvergangene Woche setzte sich Kulturstaatssekretär Tim Renner in einem Podiumsgespräch in den Dahlemer Museen für eine Sanierung der bisherigen Standorte in Mitte und Kreuzberg ein. Als „Hamburger Kaufmann“ wisse er, dass die „Ertüchtigung“ von Bauten günstiger als ein Neubau sei.

Auch der ZLB-Managementdirektor Volker Heller spricht sich für einen Erweiterungsbau der Amerika-Gedenkbibliothek am Kreuzberger Blücherplatz aus. In einer Nutzwertanalyse seines Hauses hatte diese Lösung nach dem inzwischen obsoleten Neubau am Tempelhofer Feld am besten abgeschnitten. Abgeordnete von SPD und CDU favorisieren hingegen eine Sanierung des leer stehenden Kongresszentrums ICC im Westen der Stadt.