Konzert

Perfekter Discoabend im Astra - Tanzen mit La Roux

Die britische Sängerin beschert dem Berliner Publikum eine ausgelassene Stunde

„Schön, dass Ihr gekommen seid, habt einen schönen Abend“, sagt Elly Jackson nach dem ersten Lied. „Let me down gently“ vom neuen Album „Trouble in paradise“ hat sie zum Auftakt gespielt. „Turn me into someone good, that's what I really need“ singt sie geradezu programmatisch: Suche und Erlösung, Sehnsucht und Furcht vor Zurückweisung. Eine „vertonte Therapiesitzung“ hat die „Welt“ ihr Werk genannt. Wobei man vielleicht noch hinzufügen sollte, dass Therapiesitzungen in aller Regel weniger fröhlich daherkommen.

Für eine gute Stunde beehrt die Sängerin und Songschreiberin Elly Jackson alias La Roux mit einem bemerkenswert harten britischen Akzent das „Astra“. Es ist anzunehmen, dass eine Künstlerin, deren Erstling sich zwei Millionen Mal verkaufte und deren zweites Album genauso großartig geworden ist, eine größere Halle in der Stadt als die in Friedrichshain füllen könnte. Sei es drum, so verbringt das Publikum eine intime Stunde mit La Roux.

Und weil das hier ja kein Krimi ist, kann man schon mal verraten, dass ihr Auftritt eines der besten Konzerte des Jahres war. Lebendig, jedes Stück durchgehend tanzbar und getragen von einer perfekten Stimme, die ja angeblich durch eine Kehlkopferkrankung gelitten haben soll. Sie soll die höchsten Töne nicht mehr so gut treffen wie noch vor ihrem Debüt vor fünf Jahren, hieß es. Aber nach dem Abend kann man konstatieren: Sie waren hoch genug, danke, höher müssen sie nicht sein.

Das Außergewöhnliche an den Liedern der 26-Jährigen ist, dass, obwohl diese klassisches Elektrodance sind, frei der Monotonie und Verwechselbarkeit sind, die dem Genre zu eigen sind. Und eine Letzterklärung fehlt auch noch, wie La Roux aus einer simpel daherkommenden Mischung aus Synthesizer und Bass und einer schlichten Liedstruktur originelle Songs komponiert.

Was bisher an Deutungsversuchen daherkommt, ist jedenfalls ein wenig unbefriedigend. Als Teil eines ewigen Revivals wird sie zwar gern gedeutet, aber ein Synthesizer allein machen noch keine 80er-Jahre. Nur ihre Ironiefreiheit und ihre beeindruckende Haartolle deuten auf dieses Jahrzehnt hin. Und natürlich, dass sie (und vor allem ihre Mutter) behauptet, dass sie bei einem Song der Eurythmics gezeugt wurde. Der Vergleich mit Human League, Erasure, Visage und all den anderen trifft es aber nicht. Der stimmliche Pathos der New Romantics ist ihr fremd, so reduziert auf Rhythmus mit Discobeat waren die 80er-Jahre nicht. Leider. Sie hat tatsächlich mit einfachsten Mittel etwas originär Neues erschaffen.

In Schwarz gekleidet und nicht so blass um die Nase wie üblich spielt sie 14 Lieder. Ihr Hit „In for the kill“ ist dabei, mit „Bulletproof“ beendet sie das Konzert. Sie spielt eine gitarrenlastige Version von „Tropical Chancer“ und „Silent Partner“ mit so vielen Loops, dass kurz die Hoffnung aufkommt, dass dieser Abend nie enden wird. „A lovely audience“ seien die Zuschauer gewesen, sagt sie. Am Schluss stehen die fünf Musiker an der vorderen Bühne und klatschen, und das Publikum klatscht zurück.