Theater-Kritik

Kurzweiliges Spiel mit Klischees und Vorurteilen

Uraufführung von „främmt“ im Theater Strahl

„Deutsch sieht Malla ja nicht aus, oder?“ Der große Bruder hat da seine eigenen Vorstellungen. Aber was heißt das denn? Blaue Augen und blonde Haare? Petrik (Franz Lenski) ist zum ersten Mal verliebt, in Malla. Aber Bruder Hotte (Randolph Herbst) hat Vorbehalte gegen sie. Als sein Handy verschwindet und er herausfindet, dass Malla aus einer Roma-Familie stammt, steht für ihn sofort fest, wer das Handy gestohlen hat. So sehr Malla unter den Vorurteilen gegen die Roma leidet, ist sie selbst doch nicht frei davon. Als sie das verschollene Handy bei ihrem gerade erst eingewanderten Cousin Rukrie findet, verdächtigt sie ihn ihrerseits des Diebstahls.

Malla und Rukrie sind „främmt“. Das ist der Titel des im Theater Strahl, das sich auf Produktionen für Jugendliche spezialisiert hat, uraufgeführten Stücks von Günter Jankowiak. Der Autor und Regisseur erkundet darin nicht nur, wie die beiden Roma mit „den Vorurteilen und Bedrohungen durch die deutsche Mehrheitsgesellschaft“ umgehen, sondern zeigt auch, dass mehr oder weniger alle Jugendlichen unter starkem Konformitätsdruck stehen. In Rukries Auftauchen manifestiert sich der Roma-Teil von Mallas Identität, den sie bisher verdrängt hat.

Banafshe Hourmazdi gibt als Malla ein bejubeltes Debüt im Theater Strahl. Feinfühlig zeichnet sie das Porträt eines zugleich stürmisch-emotionalen und stark verunsicherten Teenagers. Wut, zärtliche Zuneigung und lähmende Scham spiegeln sich in ihrer starken Körpersprache. Einnehmend ist auch ihr Spiel-Partner Franz Lenski als Petrik. Seine Verwandlung zu einem klischeegetränkten „voll krass-lässigen“ Typen ist ziemlich komisch.

Die Szenen – knappe Dialoge oder nachdenkliche Innenansichten – entwickeln sich um einen großen weißen Kasten auf der Bühne (Bühne und Kostüm: Daniele Drobny), der abwechselnd als Parkbank, Sofa und Kochzeile dient. Zuweilen aber entspringen diesem Kasten, gleich einer Zauberbox, Visionen davon, wie es hätte anders, besser laufen können. Rukrie hätte willkommen geheißen sein können, als jemand „Neues, der neuen Fun“ bringt, statt für störend und kriminell gehalten zu werden. Es hätte ihm und Malla gelingen können, Hottes Respekt einzufordern. Aber die Realität sieht oft anders aus. In „främmt“ weichen ethische Klischees durch die Kraft einer Freundschaft und der ersten Liebe auf.

Theater Strahl (Die Weiße Rose), Martin-Luther-Straße 77, Schöneberg. Termine: 16., 17. und 18. Dezember. Kartentel. 69 59 92 22