Film

Viele Frauen, viel Wohlfühlkino

Die 14. Französische Filmwoche zeigt Highlights aus Nachbars Kino

Die Liebe ist kompliziert, davon weiß das französische Kino wie kein zweites zu erzählen. In „3 Herzen“ verliebt sich ein Mann in zwei Frauen, ohne zu ahnen, dass sie Schwestern sind. Benoît Jacquots Drama eröffnet morgen im Kino International die 14. Französische Filmwoche, die bis 10. Dezember in mehreren Berliner Kinos stattfindet. Und wie es sich für einen ordentlichen Eröffnungsfilm gehört, wartet er mit großen Stars auf. Charlotte Gainsbourg, Chiara Mastroianni und deren Mutter Catherine Deneuve spielen die Hauptrollen. Auf dem Roten Teppich wird man die Stars indes vergeblich suchen, Jacquot stellt den Film allein vor. Traditionell kommen viele Regisseure und Schauspieler zur Filmwoche nach Berlin, doch dieses Jahr machen sich die Diven rar: Auch Isabelle Huppert und Juliette Binoche sind nur auf der Leinwand zu bewundern.

Das ist natürlich schade, aber angesichts des Programms zu verschmerzen. Zehn Premieren laufen in den kommenden Tagen, zum Teil Monate vor Kinostart. Bei zwei Filmen ist es vielleicht die einzige Möglichkeit, sie zu sehen, sie haben keinen deutschen Verleih. Vielfalt hat sich das vom Institut Français veranstaltete Festival auf die Fahnen geschrieben, wobei es wie in den Vorjahren stark vom geschmackvollen Wohlfühlkino dominiert wird. Ein Festival gibt immer eine Auswahl, doch die Diversität der frankofonen Filmbranche wird nur zum Teil abgebildet, die erfolgreiche Animationsszene etwa fehlt völlig, wie „Asterix im Land der Götter“, aktuell Nummer Eins an Frankreichs Kinokassen. Auch manch anderer Kinohit ist nicht dabei wie „Heute bin ich Samba“ von den Machern des Megaerfolgs „Ziemlich beste Freunde“.

Auffällig vielfältig sind dagegen die Frauenfiguren. Um gleich elf sehr unterschiedliche Frauen geht es in „Sous les jupes des filles“, von der Mutter bis zur Managerin. In „Get – Der Prozess der Viviane Amsalem“ kämpft eine israelische Frau jahrelang vor dem Rabbinergericht für ihre Scheidung. „Tokyo fiancée“ erzählt vom Kulturschock einer jungen Belgierin, die sich in Japan verliebt. Und in „Die Wolken von Sils Maria“ treffen eine mit dem Alter hadernde Schauspielerin (Binoche) und ihre blutjunge Konkurrentin (Chloë Grace Moretz) aufeinander. In Nebenrollen und zur Premiere in Berlin: Lars Eidinger, Angela Winkler und Hanns Zischler. Am anrührendsten ist in dieser Reihe sicher „Die Sprache des Herzens“, die wahre Geschichte eines blinden und tauben Mädchens, das mithilfe einer Klosterschwester lernt, Anteil an der Welt zu nehmen.

Gezeigt werden aber nicht nur neue Filme, gefeiert wird auch der derzeit größte französische Kinoerfolg in Deutschland. Mehr als 3,5 Millionen Zuschauer haben die Multikultikomödie „Monsieur Claude und seine Töchter“ gesehen. Am Freitag werden Hauptdarsteller Christian Clavier und Regisseur Philippe de Chauveron den Film persönlich bei einer Galavorstellung in der Kulturbrauerei vorstellen. „Monsieur Claude“ ist der Retter der Branche, mehr als zwei Drittel Besucherrückgang hatte das frankofone Kino im vergangenen Jahr in Deutschland zu verbuchen.

Herzstück der Filmwoche bleibt das Cinema Paris im Institut Francaiş am Kudamm. Ein Grund zum Aufatmen: Die im vergangenen Jahr angedrohte Schließung des Hauses ist vorerst abgewendet.

Französische Filmwoche 4.-10. Dezember. www.franzoesische-filmwoche.de