Theater-Kritik

In den Fängen des diabolischen Bücherwurms

Der Teufel trägt Haarspange. Und sieht in der zerbeulten Strickjacke schwer nach Landpomeranze aus. Deshalb erkennt der erfolgreiche Romanautor Paul Sheldon, der nach einem Autounfall im Haus der ehemaligen Krankenschwester Annie Wilkes aufwacht, nicht sofort, dass er direkt in der Hölle gelandet ist. Wir Zuschauer aber wissen natürlich, dass diese Annie Wilkes zu den fiesesten Schurkinnen der Filmgeschichte gehört, für dessen Verkörperung Kathy Bates vom Golden Globe bis zum Oscar alles abgesahnt hat, was es im Filmbusiness abzusahnen gibt.

Wenn „Misery“ nach dem gleichnamigen Thriller von Stephen King nun also auf der Bühne des Schlosspark Theaters zu sehen ist, dann kann es dem Regisseur Thomas Schendel nicht darum gehen, uns möglichst fintenreich in ein unvorhersehbares Ende zu treiben, denn das kennen wir ja bereits, was zwar bei vielen Stücken so ist, bei einem Krimi aber fatal. Nicht in diesem Fall, denn Schendel konzentriert sich klugerweise ganz auf die Figurenführung und präsentiert ein wahres Schatzkästlein perfider Pein, das Franziska Troegner und Jörg Schüttauf sehr genüsslich ausspielen.

Troegners Annie ist ein diabolischer Bücherwurm, der Paul Sheldons Romanzen-Romane der „Misery“-Reihe so sehr liebt, dass Annie, als sie feststellen muss, dass ihre Lieblingsheldin im neuesten Werk des Bestsellerautors stirbt, ausrastet. Und ihn, da er praktischerweise gerade bewegungsunfähig bei ihr im Krankenbett liegt, zwingt, nur für sie einen neuen Roman über Miserys Wiederauferstehung zu schreiben. Franziska Troegner ist eine großartige Psychopathin, ein Mauerblümchen mit Killerinstinkt, das sich zu Weihnachten, weil’s ja schön sein soll, die rote Zipfelmütze aufsetzt, ihrem Gefangenen das Bett aber auch mit einer toten Ratte garniert. Sie ist furchtbar normal, schrecklich gemein und grunzt wie ein Schwein. Wie ihr Schwein, das nämlich hat sie „Misery“ getauft.

Schlosspark Theater Schloßstr. 48, Tel.: 7895667100. 3.-5.12., 12.-18.1, 20 Uhr