Oper

Don Giovanni quietscht sich durch die Frauenwelt

Herbert Fritsch führt Mozart in einer Opernparodie vor

Gleich die erste Szene macht deutlich, dass die Handlung diesmal etwas anders abläuft. Wüstling Don Giovanni, sein Diener Leporello, der sich die Oper über regelmäßig zwischen die Beine greift, ludern mit Donna Anna herum. Von hinten tattert ihr blinder Vater, der Komtur, heran. Es gibt eine lustlose Fechtszene, in der sich der Komtur aus Versehen selber ersticht. Er fällt auf Don Giovanni, der windet sich unter der Last und singt im Liegen weiter. Das Ganze kann man lustig finden oder auch nicht. Für Liebhaber des Mozart-Bestsellers ist Herbert Fritschs Neuinszenierung an der Komischen Oper nicht zu empfehlen. Am Ende der Premiere gab es für den Regisseur Bravo- und Buhstürme. In seltener Heftigkeit.

Die Komische Oper ist das Haus, in dem Musiktheater auf ungewöhnliche und unterhaltsame Weise gezeigt wird. Die schrille „Don Giovanni“-Parodie – und mehr ist es letztlich nicht – offenbart, dass das Modell nur funktionieren kann, wenn Opern grundsätzlich ernst genommen werden. Volksbühnen-Regisseur Fritsch hat weder auf Mozarts Musik gehört, noch irgendeine Figur ins Herz geschlossen. Alle sind albern. Sein Don Giovanni ist eine Art blonder Joker aus „Batman“. Ein Würstchen in Violett, ein Grimassenschneider. Glücklicherweise verleiht Günter Papendell der Titelpartie stimmlich Statur. Er ist der beste Sänger in dieser quietschbunten Gesellschaft.

Nach spätestens einer Stunde ermüdet das Interesse an der comichaften Inszenierung, in der bis zum Überdruss herumgehüpft und gezittert wird und im Schnellsprech Wortspiele – „der Don Johnson, Don Camillo, der Pimmel von Don Giovanni“ – gemacht werden. Sänger laufen gegen die Wand. Man lacht. Und man leidet – mit Mozart. Fritsch hat die Ouvertüre weiter nach hinten verschoben und das Schluss-Sextett gestrichen. Alles Moralische ist eh verlogen. Wozu sich also auf Deutungen einlassen? Erstaunlicherweise macht Henrik Nanasi am Pult alles mit. Die Ouvertüre gerät einen Tick zu rasant, überhaupt wird alles Atemvolle in einer Rastlosigkeit erstickt. Dennoch nehmen sich die Sänger an die Rampe ihre Arien-Auszeiten. Erika Roos kann als Donna Anna ihre eleganten Koloraturen in den Saal hängen. Jens Larsen ist ein wunderbar vollmundig singender, tappsiger Gegenpart zu seinem Herrn. Die Solistenriege schlägt sich anständig. Der Rest ist Klamauk.

Komische Oper, Behrenstr. 55-57, Mitte. Tel. 47997400 Termine: 6., 14., 17., 25.12.