Konzert-Kritik

Pianistin Hélène Grimaud regiert mit rebellischer Hand

Nächtliche Wohnzimmeratmosphäre in der Philharmonie: gedimmtes Bühnenlicht, ungewohnte Dunkelheit im Saal. Starpianistin Hélène Grimaud thront auf einer extrahoch gedrehten Klavierbank.

Auch musikalisch muss sich das Publikum auf einige Eigenwilligkeiten der Französin einstellen: ihren ausgiebigen Pedalgebrauch, das Nachklappen von Akkordtönen, eine recht rebellische linke Hand. Doch damit nicht genug: Hélène Grimaud konfrontiert ihre Hörer an diesem Abend auch noch mit einer Handvoll eher unbekannter Werke.

In der ersten Konzerthälfte reiht die Pianistin impressionistische Wasserspiele verschiedener Komponisten aneinander, darunter Fundstücke wie Toru Takemitsus „Rain Tree Sketch II“ und Gabriel Faurés Barcarolle in fis-Moll op. 66. Etwas zu virtuos tost Hélène Grimaud durch Ravels „Jeux d’eaux“. Umso überzeugender dagegen Janáčeks „Andante“ aus dem Zyklus „Im Nebel“. Grimaud spielt es eigenwillig verstiegen, voll herber Exotik.

Hart trifft es danach Debussys „Versunkene Kathedrale“, weil Handytöne und Hustensalven in die intimsten Stellen eindringen. Von derartigen Störfeuern bleibt Brahms’ fis-Moll-Sonate op. 2 glücklicherweise verschont. Ein Werk, das Hélène Grimaud seit Jahrzehnten wie kein anderer Pianist beherrscht. Sie lässt sich denn auch nicht lange bitten. Forsch rückt sie zwei Debussy-Zugaben heraus: die Étude Nr. 11 und „Poissons d’Or“ aus den „Images“.