Klassik-Kritik

Junge Geigerin spielt gegen die Verzweiflung an

Debüt in der Philharmonie: Diana Tishchenko beim DSO

Die Musiker, die in der Reihe „Debüt im Deutschlandradio Kultur“ in der Philharmonie auftreten, sind jung – oft sehr jung. Mitunter beginnt hier tatsächlich eine internationale Karriere. Beste Beispiele sind Jacqueline Du Pré und Daniel Barenboim, Jessye Norman, Simon Rattle und Tugan Sokhiev. Das neue „Debüt“ unter Leitung des US-amerikanischen Jungdirigenten Joshua Weilerstein mit dem Deutschen Symphonie-Orchester ist ein echter Drahtseilakt. Das Schlussstück, die Symphonische Fantasie „Francesca da Rimini“ von Peter Tschaikowski, erfordert ein Höchstmaß an virtuoser Koordination der Orchestergruppen, und obwohl Orchester und Dirigent zu diesem Zeitpunkt schon aufeinander eingespielt sind, hat man nicht das Gefühl, dass außer einer geregelten Organisation der musikalischen Abläufe für den jungen Zeichengeber noch viel möglich ist. Die abgeklärte Binnenkommunikation der Orchestermitglieder allerdings sorgt für ein nicht nur aufregendes, sondern auch erhebendes Erlebnis.

Die jungen Absolventen einer Horn-Meisterklasse an der Universität der Künste schlagen sich in Schumanns Konzertstück für vier Hörner und Orchester mehr als wacker – vom extrem hohen ersten Horn Maciej Baranowskis über die Mittelstimmen Peter Müselers und Bertrand Chatenets bis zur tiefen Partie Juliane Greplings gestalten sie das schwierige Stück tonlich, intonatorisch und spielerisch sehr überzeugend.

Höhepunkt allerdings ist der Auftritt der ukrainisch-stämmigen Geigerin Diana Tishchenko, die noch an der Hochschule „Hanns Eisler“ studiert. Das Schostakowisch-Violinkonzert, komponiert im Zeitalter schlimmster stalinistischer Repression, lotet die Extreme geigerischen Ausdrucks bis ins Letzte aus. Tishchenko gibt dieser Musik mit größtmöglicher Plastizität ein Gesicht. Von der verhaltenen, hauchdünnen lyrischen Linie des Beginns über den attackenhaften Protest gegen sowjetischen Antisemitismus mittels eines jüdischen Volkslieds im Scherzo bis zum verzweifelt sich aufbäumenden großen Ton der letzten beiden Sätze scheinen Diana Tishchenko im Innersten ihrer jungen Musikerpersönlichkeit alle Nuancen dieses extremen Werks vertraut.