Pop-Kritik

Vier Londoner singen zu fröhlichen Gitarren

Bombay Bicycle Club stimmen das Berliner Astra bittersüß

Wären Bombay Bicycle Club eine Stadt, wären sie das westfälische Münster. Die Studentenstadt, die Fahrradstadt. Mensa, Naherholung, Grün. Wären sie eine Blume, dann der gewöhnliche Löwenzahn, krautig, milchig, gelb. Bombay Bicycle Club, das sind vier junge Herren aus London und Xylophon, Schellenkranz, Keyboard, Bass. Dazu ein gestärktes Hemd, Seitenscheitel und fröhliche Gitarren. „Ivy and Gold“ – es ist ein Lied, es ist Indie-Rock und es ist niedlich.

Jack Steadman ist nicht die Sorte Sänger, der jede haben kann, nur weil er auf einer Bühne steht. In „Whenever, Wherever“ singt er davon, wie ein Mädchen ihn glauben ließ, er könnte sie haben, aber sie hielt ihn nur hin, und er sagt, das ist schon in Ordnung, liebeskrank wie er ist, sei er bereit, in Lauerstellung, wann immer, wo immer sie will. Für die aktuelle, tannengrüne Platte, die sie ganz unprätentiös „So Long, See You Tomorrow“ genannt haben, hat sich der Club eine Sängerin ins Boot geholt – live in Berlin singt Liz Lawrence.

Sie passt zum Bicycle Club, denn sie ist gut und harmlos. In grauen Jeans und schwarzem T-Shirt steht sie auf der Bühne, ohne Schnick und Schnack, die Ellenbogen auf Kükenflügelchenstellung. Wenn sie tanzt, dann ist das ein fröhliches Auf-der-Stelle-Joggen. Sie gibt die gute Sportsfreundin, mit einer Singstimme so gut und so klar wie Bergquellwasser. Gemeinsam mit Lawrence covert der Club Robyns „With Every Heartbeat“: Die Beziehung ist vorbei, wir kriegen das nicht mehr hin, es schmerzt mit jedem Herzschlag. Bei Robyn klingt das liebesperlensüß und sexy-traurig. Und es ist klar: Sie wird trotz aller Probleme wieder mit ihrem Ex schlafen und danach Blut und Zucker schwitzen.

Aber der Mumbai Fahrrad Klub, der sich nach einer britischen Restaurant- Kette benannte, kann mehr als zart. Verlass mich hart. So bei „Dust on the Ground“. Steadman schrubbt seine Gitarre zu Boden, während sich der Bassist mit seinen Locken herumschlägt. Jubel gibt es für „Always like this“, die Single von 2009, aus Zeiten, als der „New Musical Express“ sie noch groß anpries. Im Hintergrund zum Hit turnen Videoprojektionen: Strichmännchen, die Bockund Seilspringen, rutschen und Hula- Hoop tanzen.