Kunst

Anonyme Spenderin zahlt für Aufarbeitung des Gurlitt-Erbes

Mit Hilfe der Spende einer anonymen Mäzenin will das Kunstmuseum Bern zügig den Wert und die Herkunft der vom Kunsthändlersohn Cornelius Gurlitt geerbten Kunststücke ermitteln.

„Die finanziellen Mittel sind da“, sagte der Stiftungsratspräsident des Museums, Christoph Schäublin, dem Schweizer „Tages Anzeiger“. Bei der Spenderin handele es sich um „eine Freundin des Hauses, die uns schon bei anderen Gelegenheiten unterstützt hat“, sagte Schäublin. Das Museum hatte bei der Annahme des Erbes zugesichert, dass alle geraubten Kunstwerke zurückgegeben würden.

Einem Sprecher des Museums zufolge handelt es sich bei der Spende der Mäzenin um einen siebenstelligen Betrag, also um mindestens eine Million Franken (rund 800.000 Euro). Von dem Geld sollen Stellen finanziert werden, um die Provenienz der rund 1500 Werke aus Gurlitts Sammlung zu erforschen.

Der im Mai 81-jährig gestorbene Cornelius Gurlitt hatte seine aus dem Erbe seines Vaters stammende Gemäldesammlung dem Kunstmuseum Bern vermacht. Die Kunstsammlung steht zu einem großen Teil unter Raubkunstverdacht, weil Gurlitts 1956 gestorbener Vater Hildebrand sie überwiegend während der NS-Zeit zusammenstellte. Das Berner Museum will noch in der laufenden Woche eine vollständige Auflistung der Erbstücke veröffentlichen.

„Die Sammlung ist überwältigend“, sagte Frehner. „Sie ist zwar nicht hoch bedeutend, aber sie enthält einige Glanzstücke der klassischen Moderne.“ Dem Museumsdirektor zufolge befinden sich unter den geerbten Gemälden eine großformatige Landschaft von Paul Cézanne aus dem Jahr 1847 und ein Gemälde von Claude Monet aus dem Jahr 1903 mit dem Titel „Waterloo Bridge im Nebel“. Weitere wertvolle Kunstwerke stammen demnach von Paul Signac, Courbet und Gauguin. Bei einer späten Paris-Ansicht von Pissarro handele es sich „ohne Zweifel um Raubkunst“. Frehner sagte: „Da ist man als Kunsthistoriker im Wechselbad der Gefühle: Man hat ein großartiges Bild vor sich, aber auch die großen Probleme, die daran haften.“