Klassik-Kritik

Junge Virtuosen setzen auf mehr Leichtigkeit

Die Cello-Preisträger beim „Feuermann“-Wettbewerb

Der Jury-Vorsitzende Uzi Wiesel, selbst ein Virtuose, gibt den Preisträgern des Cello-Grand-Prix „Emanuel Feuermann“ seine Erfahrung mit auf den Weg: „Sie können glauben, dass Sie schneller oder lauter spielen können als alle anderen – es wird irgendwo immer noch einen geben, der schneller und lauter spielt.“ Wiesels Forderung an junge Solisten in einer globalisierten Musikwelt mit dem einseitigen Streben nach Perfektion, ja nach Rekorden lautet: „Seien Sie Sie selbst. Vertrauen Sie auf Ihre Persönlichkeit.“

Der alle vier Jahre stattfindende Wettbewerb hat drei neue Preisträger im Kammermusiksaal der Philharmonie hervorgebracht: Aurélien Pascal (Frankreich), Andrei Ionita (Rumänien) und Chiara Enderle (Schweiz). Der Sieger Pascal hat auch den Publikumspreis erhalten. Sonderpreise für herausragende Leistungen erhielten Ella van Poucke, Bruno Philippe und Simone Drescher. Es sind Namen, die man sich merken sollte. Der Wettbewerb gilt auch als Schaufenster für kommende Virtuosen im Klassikmarkt.

Feuermann, der Namensgeber des Wettbewerbs, gilt mit seiner in den 20er- und 30er-Jahren bahnbrechenden Virtuosität neben etwa Pablo Casals als einer der Begründer des modernen Cellospiels. Das eigenwillige Foto-Porträt des Solisten, zugleich das Emblem des Grand Prix, zeigt dies sehr plastisch. Es wirkt überraschend unzeitgemäß, wohl weil es Laxheit und Leistungsanspruch in sich zu vereinen scheint: Dieser Mann, obgleich er schon im Alter von 16 Jahren zum Cellolehrer am Kölner Konservatorium ernannt wurde, ist durchaus nicht eins mit seinem Instrument. Die in einem modernen Musikerleben unbedingt notwendige persönliche Reifung wird heute oft durch das Streben nach absoluter Perfektion behindert. Persönlichkeit in Musik zu gießen, wird ohne Lebenserfahrung außerhalb des Instruments kaum möglich sein – auch wenn hier Vertreter gegenteiliger Meinung auf Zehnjährige verweisen dürften, die Beethovens Spätwerk scheinbar mit Bravour bewältigen.

Fabelhaft weich und flexibel begleitet die Kammerakademie Potsdam unter Christoph Poppen die Preisträger des von der Kronberg Academy ausgelobten Wettbewerbs, an dem auch die Universität der Künste beteiligt ist. Die Weichheit passt zu den jungen Leuten, denn die haben eines gemeinsam: einen leichten, spielerischen, nicht auf Kraft und Show ausgelegten Zugriff auf ihr Instrument. Chiara Enderle und Andrei Ionita überzeugen in Schumanns Cello-Konzert mit ihrer Flexibilität zwischen Kantilene und Agilität, Valentino Worlitzsch bannt in dem musikalisch subtilen wie technisch herausfordernden Auftragswerk „Eleven Oblique Strategies for Solo Cello“ von Brett Dean einen ganzen Saal mit leisesten Tönen. Schließlich findet im zwischen Leichtigkeit und Rundung schlafwandlerisch balancierenden Ton des ersten Preisträgers Aurélien Pascal, der das Cellokonzert von Ernst Toch spielte, der Grand Prix seinen denkbar würdigsten Abschluss.