Kino

Wer ist noch gleich dieser David Bowie?

Der Film über die Ausstellung des britischen Popstars

Als „David Bowie is“, die Ausstellung, in London lief, soll David Bowie sie mit seinen Kindern eines Sonnabends besucht haben. Ein älterer Herr in Strickjacke und Cordhosen, der sich neben den Puppen mit seiner Garderobe aus den Siebzigern fotografieren ließ. Er lachte, seine Kinder lachten. Niemandem soll Bowie näher aufgefallen sein. Ob die Geschichte stimmt, ist gleichgültig, wahr ist sie allemal.

Nun kommt der Film zur Ausstellung ins Kino. In den Hauptrollen: Victoria Broackes und Geoffrey Marsh, die Kuratoren, sie stehen an ihrem Arbeitsplatz und sagen Kuratorensätze auf. Dass Bowie Grenzen, Genres und Geschlechter transzendiert habe, erörtern sie wie schon auf ihren Schautafeln und in den Katalogaufsätzen. Sie befragen auch Besucher, die begeistert alles wiederholen, bis endlich einer das Wort „Chamäleon“ ausspricht, das in keiner Bowie-Exegese fehlen darf. Die Kuratoren geben vor, was alles „David Bowie is“. Am Ende kommen alle darin überein: „David Bowie is … one of us“. Schon klar.

Warum sollen das eigentlich alle wissen wollen? Bowie selbst hat es ja auch nie interessiert. Zwar hat er alles aufgehoben, jedes Buch, das er als Kunstschüler gelesen hat, jedes Kostüm, jede Notiz. Aber als ihn die Kuratoren anriefen, öffnete er seine Archive und sagte: „Macht damit, was ihr wollt.“ Das taten Broackes und Marsh. Während sie seinen Kram sichteten, noch die beiläufigsten Krakeleien mit Bedeutung aufluden und die Erinnerung an Bowie dorthin brachten, wo sie hingehörte, ins Museum, gönnte Bowie sich den Spaß, nach zehn Jahren aus seinem Ruhestand als Musiker zurückzukehren.

Er fragte in einem Lied „Where Are We Now?“, sang wieder von Berlin und ließ sein Album „The Next Day“ gestalten wie das Album „Heroes“ mit der Erich-Heckel-Pose. Er drehte ein Video, in dem er als Rentner vor dem Fernseher saß, bis ihn die Geister seiner eigenen Geschichte heimsuchten. Erst durch das lustige Comeback wurde die prätentiöse Ausstellung zu einem großen Spaß. Nun wird der Witz für DVD und Kino abendfüllend wieder aufgewärmt. Man sieht noch einmal großartige Szenen wie den Abschied von sich selbst als Ziggy Stardust.