Fernsehen

Hauptsache, auch Opa Kurt kriegt eine ab

„Altersglühen – Speed Dating für Senioren“ in der ARD

Er heißt Helge Löns. Und sie ist schon sein drittes Date. Das macht ihn mutig. Er sagt: „Sie sehen aus, als wären Sie mal ein wilder Feger gewesen.“ Sie sagt: „Leider nicht.“ So geht’s zu in diesem Wunderwerk von einem Film, vor dem man staunend und amüsiert und angerührt und beglückt sitzt. „Altersglühen“! Umwerfender Titel. Zwischen Vorglühen und Verglühen. „Speed Dating für Senioren“ – schreckensreicher Untertitel. Klingt irgendwie nach Tanztee mit Rollator.

Ist es aber nicht. Piekfein ist die Hamburger Villa, in der sich die zwölf Damen und Herren treffen, weil sie die Hoffnung auf ein spätes Glück noch nicht ganz aufgegeben haben. Wo jeder genau sieben Minuten hat, sich ein Bild vom anderen zu machen, beziehungsweise selbst Eindruck zu schinden. Was, wie man sieht und hört, eine Art später Prüfung ist. Sie: „Wenn ich mich hier so umgucke, schneiden Sie ja gut ab.“ Er: „Das geht mir natürlich runter wie Öl.“ Bei der man aber auch durchfallen kann. Er: „Finden Sie mich attraktiv?“ Sie: „Ehrlich gesagt, nicht.“

Der Erfinder des Vergnügens ist der Oldenburger Jan Georg Schütte. Der hat aus seinem preisgekrönten NDR-Hörspiel von 2011 jetzt etwas gemacht, was das Fernsehen bislang nur mit den „Blind Dates“ von Olli Dittrich und Anke Engelke riskiert hat: einen Konversationsfilm ohne Drehbuch.

Schütte hat seinen Schauspielern nur spärliche Informationen mitgegeben. Das kann Schauspieler zu etwas Außerordentlichem inspirieren. Vorausgesetzt, dass dem Gegenüber nicht völlig die Worte fehlen. Was man von Michael Gwisdek nicht behaupten kann. „Nee, ick brauch’ Sie nicht treffen“, hat der seinem Regisseur schon am Telefonat zugerufen, „ick kann dit!“ Gwisdek ist Volker, der Kumpel von Kurt. Die beiden hausen in einer Laube. „Hauptsache“, posaunt Volker herum, „Kurt kriegt eine ab!“ Kurt (Jörg Gudzuhn) hat sich sicherheitshalber mit einem Talisman bewaffnet. Mit einer Plüschente, „Schnattchen“. Das kommt bei Maria Koppel (Senta Berger) nicht gut an.

„Altersglühen“ ist an zwei Drehtagen entstanden. Ein Tag für die Villa, ein zweiter fürs knappe Vorher und Nachher. Das Speed Dating hat Schütte mit 19 Kameras aufgenommen, er selbst spielt den Organisator Matysek, das ist ein eleganter Kunstkniff, erlaubt es dem Regisseur doch, durchs Bild zu gehen und Anweisungen zu geben.

ARD, heute, 20.15 Uhr