Immobilien

Ein Investor soll kommen

Bezirk rechnet mit einem baldigen Verkauf des Kudamm-Karrees

Für Marc Schulte (SPD) ist die Sache klar: Der Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung in Charlottenburg-Wilmersdorf rechnet „noch in diesem Jahr“ mit einem erneuten Verkauf des Kudamm-Karrees. Allerdings hat Schulte „keine Informationen von Ballymore, an wen der Verkauf erfolgen soll oder bereits erfolgt ist“, wie er gegenüber der Berliner Morgenpost sagte.

Seit 2008 gehört die Immobilie der irischen Ballymore Group, die sich am Dienstag nicht zu diesem Thema geäußert hat.

Das Kudamm-Karree gehört zu den markanten Bauten West-Berlins. Das über 20-stöckige Gebäude wurde zwischen 1969 und 1974 gebaut, Mitte der 90er-Jahre renoviert und mit einer neuen Fassade versehen. Vor Ballymore gehörte das Kudamm-Karree vorübergehend einem amerikanischen Investmentfonds, der es von einer Tochterfirma der Deutschen Bank erworben hatte.

Martin Woelffer kennt die Verkaufsgeschichte des Gebäudes. Der Direktor des Theaters und der Komödie am Kurfürstendamm, beide Bühnen liegen im Erdgeschoss, lebt seit Jahren mit der Ungewissheit, wie es mit den Theatern, wie es mit seinen Mitarbeitern weitergeht. Bei Ballymore schien das bislang einigermaßen klar zu sein. Nicht zuletzt auf öffentlichen Druck, denn nachdem Demonstrationen für den Erhalt der beiden in den 20er-Jahren errichteten und von Max Reinhardt betriebenen Bühnen stattfanden, präsentierte Ballymore einen Entwurf für den Umbau des Kudamm-Karrees. Der Architekt David Chipperfield hatte die teilweise Umwandlung von Büroraum zu Wohnungen und als Kompromiss einen Theaterneubau im ersten Stock mit Zugang vom Kurfürstendamm vorgesehen, die beiden historischen Theater aber sollten abgerissen werden.

Danach passierte lange Zeit nichts. Es hieß, Ballymore suche einen Finanzierungspartner. Der Stadtrat befürchtet nun, dass in den Verhandlungen „einem potenziellen Käufer Hoffnungen gemacht werden, die nicht mit dem Planungsrecht in Einklang zu bringen sind“.

Angesichts der ungewissen Zukunft der Chipperfield-Pläne hofft Woelffer, dass anstelle eines „kostspieligen Neubaus ein Theater erhalten werden kann“. Damit könne sich ein neuer Investor „ein Denkmal setzen“. Die Komödie hat den Zweiten Weltkrieg vergleichsweise gut überstanden, die früheren Malereien an den Logen sind zwar nicht mehr vorhanden, aber dokumentiert und damit „problemlos restaurierbar“, so Woelffer.

Am 19. November wird der 90. Geburtstag der Komödie am Kurfürstendamm, die am 1. November 1924 eröffnet wurde, nachgefeiert. Mit Ehrengästen wie Kulturstaatssekretär Tim Renner und der Wiederaufnahme von „Eine Sommernacht“ mit Tanja Wedhorn und Oliver Mommsen. Die Inszenierung steht für die behutsame Neuausrichtung hin zu intelligenter Unterhaltung, die Martin Woelffer, der vor zehn Jahren die Direktion von seinem Vater übernahm, eingeleitet hat.