Bei Lenny Kravitz geht es immer um die Frauen

Der Popmusiker kommt zu spät in die O2 Halle, liefert dann aber sehr solide Rockmusik

Lenny Kravitz ist zu spät. Eigentlich sollte er um kurz vor 22 Uhr in der O2 Halle auf der Bühne stehen. Aber die Bühne ist leer. Das Haus ist auch nicht voll. Die oberen Ränge sind abgehangen, so sieht es wenigstens voll aus. Und über das Sparfuchs-Portal Groupon wurden auch noch Tickets verkauft. Ein Schnäppchen. Das Nichtpünktlichsein kann ja durchaus zum guten Gelingen eines Konzertes beitragen. Ein tantrisches Hinauszögern. Man fragt sich, was der Rockmusiker wohl gerade macht. Bei Peter Doherty ist es klar, er wird Drogen nehmen. Wenn Campino von den Toten Hosen zu spät kommt, spielt er bestimmt mit seinen Bandkollegen noch eine Partie Halma zu Ende. Kommt Bono von U2 zu spät, dann pitcht er mit Präsident Obama eine Strategie für den Abbau Guantanamos. Was aber macht Lenny Kravitz?

Mit allen Chakren im Einklang steht Kravitz dann doch auf der Bühne. Umgeben von drei Gospelsängerinnen. Und einer richtigen Band. Er, der Man in Black. Nur schwarz am ganzen Körper. Kravitz ist einer dieser Menschen, die glauben, dass Rockmusiker sowas tragen müssen. Kravitz, das merkt das Berliner Publikum sofort, ist ein Musiker, der ohne Allüre das liefert, was er auf seinen Alben zeigt. Solide Rockmusik. Easy Listening. Er beginnt mit „Dirty White Boots“ von seinem dieses Jahr erschienen Album „Strut.“ Danach „American Woman“, vielleicht Kravitz berühmtester Song, der aber ein Cover von The Guess Who ist. Es geht immer um Frauen, und Frauen, die Musik gut finden, und Männer, die Frauen, die Musik hören, gut finden. Mit 50 Jahren lebt Kravitz immer noch den Traum des ewig jungen Mannes. Neben den 87 Gitarrensoli gibt es an diesem Abend auch genau 36,3 Saxofonsoli.

„Berlin! Ich war 1989 schon hier. Ich war im Osten, bevor es cool war, im Osten zu sein“, sagt Kravitz. Und er liebe Berlin natürlich. „Jeder hier ist ein Künstler.“ Kurz vor der Zugabe spielt er „Fly Away“. Der einzige Song von Lenny Kravitz, der wirklich ein Hit ist. Denn Kravitz verstrickt sich viel zu sehr in Riffs, in Gitarrentöne, aber die Melodie, vernachlässigt er. Die O2 Halle war zurückhaltend an diesem Abend, jetzt tanzt sie zum ersten Mal ausgelassen. Dann wieder ein Saxofon und ein Gitarrensolo und Kravitz fliegt schon wieder weiter.