Klassik-Kritik

Im Konzerthaus jubeln sowjetische Komponisten

Der Saison-Schwerpunkt mit Komponisten der Sowjetunion fordert dem Konzerthausorchester einiges ab.

Diesmal steht Sergej Prokofiews Fünfte in B-Dur auf dem Programm, dirigiert von dem Finnen Osma Vänskä. Erstaunlich, mit welcher Sicherheit das Orchester sich seinen Weg durch dieses Riesenwerk fräst, die Solisten in den zahlreichen völlig offen liegenden Einsätzen mutig drauflos spielen und gerade so die zur Schau gestellte Unbekümmertheit, das öffentlich aufgesetzte Jubelgesicht eines Komponisten nachzeichnen, der an seinem Land resignierte. Anfang 1945 wurde die Symphonie in Moskau unter Leitung Prokofiews uraufgeführt, die Nachrichten vom Vormarsch der Roten Armee unterbrachen das Konzert mehrmals. Deshalb war man später stets versucht, die Symphonie als apologetischen Kommentar zum Sieg der Sowjetunion zu sehen. Gewiss, es gibt weit trotzigere Werke Prokofiews. Doch das Heroische, das hört man auch im Konzerthaus, mutiert oft so sehr zur ironischen Fratze, dass man an einen Propaganda-Auftrag Prokofiews kaum glauben mag.

In dieser sowjetischen Programmreihe ist der Hörer wie kaum sonst angehalten, sich in die historische Situation der Komponisten hineinzudenken. Am Beispiel des Klavier-Streichorchester-Konzerts von Alfred Schnittke ist zu bemerken, wie sehr die Westeuropäer ihre klassischen Wurzeln zu verschleiern versuchten, während Schnittke dieses Erbe im Jahr 1979 auf dem Seziertisch ausbreitet, um es vor den Ohren des Hörers auf die deformierte Gegenwart hin buchstäblich zu verrücken. Wir merken dies auch beim 27-jährigen Schostakowitsch, der in seinem völlig unklassizistischen Klavierkonzert von 1933 noch bissig eine virtuose Kadenz für Klavier und Trompete à la Beethoven anhängt. Der Pianist Denys Proshayev und der Trompeter Gábor Boldoczki sind dem Konzerthausorchester Partner, die die Musik mit nüchterner Detailschärfe vorführen.