Bildband

Verbeugung vor einem ganz großen Schauspieler

Das Buch erschien etwas später als angekündigt. Aus traurigem Anlass. Die Druckfahnen hatte Gert Voss noch gesehen, das fertige Werk nicht mehr: Der Schauspieler starb am 13. Juli 2014, einen Tag vor dem WM-Finale in Brasilien, auf das er sich gefreut hatte.

„Gert Voss auf der Bühne“ ist der prächtige, opulente Bildband betitelt – ein Versprechen, das aufs Wunderbarste eingelöst wird. Als Grundlage für die Veröffentlichung diente das Gert-Voss-Archiv, das der Ausnahmeschauspieler vor zwei Jahren der Berliner Akademie der Künste, der er seit 1994 angehörte, geschenkt hat. Archivare messen in Regalmetern, das Archiv von Voss hatte einen Umfang von knapp acht. Ein Viertel davon bestand aus Proben-, Szenen- und Porträtfotografien – diese Aufnahmen sind die Grundlage des Buches. Sie bebildern Gert Voss’ Theaterkarriere, die ganz klassisch von der Provinz in die Metropolen führte, in seinem Fall von Konstanz und Braunschweig über Stuttgart und Bochum nach Wien und Berlin.

Das Burgtheater war seine letzte Station, sein Reich. Schauspieler – und auch Regisseure – genießen in Wien ja eine ungeheure Wertschätzung, die Künstlern dort entgegengebracht wird – ganz anders als in Berlin. Voss arbeitete trotzdem hier, zuletzt aber nur für einige Produktionen. Regisseur und Theaterintendant Claus Peymann hatte ihn ans Berliner Ensemble eingeladen, Anfang 2011 kam Thomas Bernhards Monologstück „Einfach kompliziert“ am Schiffbauerdamm heraus. Auch an der Schaubühne trat Voss auf, in Thomas Ostermeiers Shakespeare-Inszenierung „Maß für Maß“, die auch wegen Gert Voss mit dem Friedrich-Luft-Preis 2011 der Berliner Morgenpost ausgezeichnet wurde.

An diesem Sonntag (11 Uhr) ehrt das Berliner Ensemble Gert Voss mit einer Matinee. Dabei wollen Kollegen und Weggefährten wie Claus Peymann, Angela Winkler, Elisabeth Plessen, Lars Eidinger und Harald Schmidt über Begegnungen und die Zusammenarbeit mit ihm sprechen. Außerdem wird das Buch vorgestellt.

Gert Voss auf der Bühne Hrsg. von Ursula Voss und der Akademie der Künste, 292 Seiten, 29 Euro