Gedenken

Trauerfeier für Lenz: „Ein großartiger Geschichtenerzähler“

Helmut Schmidt hat seinen jahrzehntelangen Freund Siegfried Lenz als „Ombudsmann menschlichen Anstandes“ bezeichnet.

„Er war von großer Freundlichkeit und Bescheidenheit, ohne erkennbare Schwächen“, sagte der Altkanzler bei der Trauerfeier für Siegfried Lenz am Dienstag in der Hamburger Hauptkirche St. Michaelis. Hinter dem Schriftsteller sei ein Philosoph verborgen gewesen und dahinter ein „stringenter Moralist“, sagte Schmidt. Gemeinsam sei ihnen gewesen, „keinen metaphysischen Trost zu erhoffen, der uns über die Vergänglichkeit hätte hinweghelfen können“. Lenz war am 7. Oktober im Alter von 88 Jahren im Kreis seiner Familie in Hamburg gestorben.

Die Freundschaft zu „Siggi“ habe ein halbes Jahrhundert gedauert, sagte Schmidt. Lenz sei ein „großartiger Geschichtenerzähler“ gewesen. Mit seiner Vorstellungskraft und Fantasie habe er „ein ganzes Mosaik unserer Epoche“ gezeichnet. Damit habe er „zum geistigen Wiederaufbau Deutschlands beigetragen“ und „einen literarischen Schatz hinterlassen“. Viele hundert Treffen hätten über die Jahrzehnte stattgefunden, und man habe miteinander „über Gott und die Welt“ geredet, über Malerei, Literatur, Musik, die Religionen und die Politik.

Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) nannte Lenz einen „Virtuosen der Nachkriegsliteratur“. Die Stadt Hamburg sei stolz auf ihren Ehrenbürger. Als politischer Schriftsteller sei Lenz ein Demokrat gewesen, „ein stets Suchender für das Bessere“.