Fernsehen

Wir Kommissare vom Bahnhof Zoo

Das neue Berliner „Tatort“-Duo ermittelt auch am Flughafen

Der Berliner „Tatort“ kommt auf den Müll. Nein, wir wollen an dieser Stelle nicht schon das neue Kommissars-Duo abschreiben, bevor es überhaupt angefangen hat. Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) sorgt schon selbst dafür. Am Dienstag fiel die erste Klappe für die neuen Ermittler Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke). In ihrem ersten Fall „Das Muli“ aber wird eine Leiche auf dem Müll gefunden. Damit macht man von Anfang an deutlich, dass es schöngelackte Touristenbilder von der Hauptstadt hier wohl nicht geben wird. Vielleicht hat jemand von der Rundfunkanstalt aber auch ganz tief in den Archiven gewühlt und den allerersten Berlin- „Tatort“ herausgefischt. In „Rattennest“, ausgestrahlt am 18. Oktober 1972, gab es eine unvergessene Prügelei mit Götz George (damals wohlgemerkt noch nicht als Kommissar, sondern als Kleinganove) auf einer riesigen Mülldeponie.

Wie auch immer: Der RBB macht Ernst. Der Berliner „Tatort“, so viel wurde ja versprochen, als die neuen Kommissare vorgestellt worden sind, soll künftig drei Hauptfiguren haben. Die Kommissare. Und die Stadt. Von der habe es in den jüngeren Folgen zu wenig zu sehen gegeben, so viel Kritik war zumindest zu hören, als die bisherigen Kommissare Boris Aljinovic und Dominic Raacke in den Vorruhestand geschickt wurden. Damit soll jetzt Schluss sein. In ihrer ersten Folge jedenfalls kommt das neue Team ganz schön in der Stadt herum. Zu den Locations auf dem Drehplan zählen – wohlgemerkt „unter anderem“, da ist noch Luft nach oben – Plänterwald, Heiligensee, Mitte, Kreuzberg, Wilmersdorf und – die Folge spielt im Drogenmilieu – am Bahnhof Zoo. Die Ermittlungen führen die neuen Kommissare aber auch an den BER.

Wenn da weiterhin bis 2017 nichts landen darf, dann landet wenigstens der Deutschen liebste Fernsehreihe dort.

Damit beweist der RBB den richtigen Riecher. Warum öffentliche Großbaustellen nicht als Drehkulissen verwenden, wenn sie schon nicht anderweitig zu nutzen sind? Der künftige Airport war gerade erst Kulisse des Kinofilms „Schönefeld Boulevard“, wo er zum Synonym des Stillstands eines perspektivlosen Mädchens wurde. Auch bei diesem Film war der RBB koproduzierend dabei.

Im ersten „Tatort“ von Becker und Waschke wird ein leer stehendes Hotel auf dem Flughafengelände zum Unterschlupf zweier obdachloser Jugendliche, die von einem Drogenring gejagt werden. Es wird ein Wettlauf mit der Zeit, wer die beiden zuerst findet: die Ermittler oder die brutalen Verfolger. Für ihren ersten Fall, der bis 1. Dezember gedreht wird und am 22. März 2015 ausgestrahlt werden soll, wird nichts dem Zufall überlassen: Regie führt der dreifache Grimme-Preisträger Stephan Wagner, das Drehbuch schrieb Stefan Kolditz, von dem auch der preisgekrönte Dreiteiler „Unsere Mütter, unsere Väter“ stammte.

Das klingt alles vielversprechend. Zu bedauern ist nur Boris Aljinovic. Während alle auf die „Neuen“ warten, löst der am 16. November seinen letzten Fall mit dem vagen Titel „Vielleicht“. Und zwar ganz allein, ohne Dominic Raacke.