Nachruf

Trauer um René Burri

Berühmt ist sein Porträt des rauchenden Che Guevara. Auch das geteilte Deutschland fotografierte er über Jahre

Cooler Revolutionär. Che Guevara, 1963: Die Zigarre hängt im Mundwinkel, der Blick ist abschätzig, ja arrogant. Gut gelaunt sieht er nicht gerade aus, dafür hat er die Herrscherpose schon angenommen. Dieses Schwarzweißfoto, das zur Ikone wurde, machte den Schweizer René Burri weltberühmt. Der Magnum-Fotograf war für ein US-Magazin nach Kuba gereist, um dort zu fotografieren. Am Montag starb Burri im Alter von 81 Jahren zu Hause in Zürich. Der passionierte Zigarrenraucher litt schon einige Jahre an Krebs.

Ausstellung bei C/O

Zu seinem 80. Geburtstag, da war er schon sehr krank, wollte ihm die C/O-Galerie noch eine Geburtstagsschau ausrichten. Das Projekt scheiterte daran, dass C/O damals kein Domizil hatte. Burri war regelmäßig in Berlin, traf sich mit Stephan Erfurt, dem Chef von C/O. „Macht weiter“, sagte er dann, wenn es mal wieder schwierig wurde für die Fotografie. Beide waren auch schon zusammen in Kuba. Als im Jahr 2000 C/O im Postfuhramt eröffnete, stellte René Burri dort seine Berlin-Fotos aus. Jetzt werden seine Werke bald wieder zu sehen sein – zur Neueröffnung im Amerika-Haus am 30. Oktober sind seine „Contact Sheets“ ausgestellt. Che Guevara wird wohl auch dabei sein.

Burri fing früh an zu fotografieren. Mit 13 Jahren lichtete er Winston Churchill ab, als der in einer Limousine durch Zürich fuhr. Der Junge hatte sich einfach die Kamera seines Vaters geschnappt. Ab 1950 lernte er Fotografie an der Kunstgewerbeschule in Zürich (heute Zürcher Hochschule der Künste) bei Lehrern wie Hans Finsler, Alfred Willimann und Johannes Itten. Er porträtierte Künstler wie Pablo Picasso, Alberto Giacometti und Le Corbusier. Doch Burri war weit mehr als ein Porträtfotograf. Seine Bildreportage über die Arbeit der Zürcher Musikpädagogin Mimi Scheiblauer mit taubstummen Kindern aus dem Jahr 1955 bescherte ihm die Aufnahme in die renommierte Fotoagentur Magnum. Von 1959 bis 1961 bereiste er Deutschland, dokumentierte das geteilte Land, Ost und West. Als neutraler Schweizer konnte er relativ ungehindert auch im Osten fotografieren. Diese Aufnahmen erschienen 1962 im Band „Die Deutschen“. Das Buch ergänzte er nach dem Mauerfall bis ins Jahr 1997. Sein Archiv umfasst mittlerweile 30.000 Fotografien, das Material hat er dem Museum Elysée von Lausanne vermacht.

Für Magnum reiste er um die Welt und publizierte seine Reportagen über die großen Ereignisse des 20. Jahrhunderts in Magazinen und Illustrierten wie „DU“, „Life“, „Stern“, „GEO“ oder „Paris Match“. Burris Werk wurde mehrfach ausgezeichnet und in zahlreichen Ausstellungen präsentiert – vergangenes Jahr anlässlich seines 80. Geburtstags im Museum für Gestaltung in Zürich. Der „Tages-Anzeiger“ würdigte René Burri als „Schweizer Weltreporter“. Die „Neue Zürcher Zeitung“ nannte ihn einen „Mann mit Haltung“. Trotz der vielen von ihm über die Jahrzehnte dokumentierten Krisen und Kriege habe er auf Schockfotos verzichtet. „Stattdessen zeigt er uns mit seinen Bildern die Welt mit seinen Augen: neugierig, ohne Zynismus und voller Anteilnahme.“ Genau das macht seine Fotos zu einem Vermächtnis.